FAQ Luftreinhaltung Stuttgart

Luftreinhaltung

Fragen und Antworten zum Feinstaubalarm und zur Luftreinhalteplanung in Stuttgart

Welche Folgen haben die Luftschadstoffe für die Gesundheit?

  • Feinstaub – PM10

    Je kleiner die Feinstaubpartikel, desto gefährlicher sind diese für den menschlichen Körper. Je nach Partikelgröße können die Teilchen nicht nur bis zum Nasen- und Rachenraum gelangen, sondern bis zur Luftröhre oder bis in die Bronchien und Lungenbläschen, oder sogar bis in das Lungengewebe und den Blutkreislauf vordringen. Luftverschmutzungen können dadurch die durchschnittliche Lebenszeit verkürzen. Ursächlich ist ein erhöhtes Risiko für Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Lungenkrebs. Kinder und ältere Menschen sind hiervon besonders betroffen.

    Weitere Informationen: Prof. Dr. med. Martin J. Kohlhäufl, Lungenfacharzt und Umweltmediziner, erklärt im Gespräch, welche Gesundheitsgefahren von einer zu hohen Feinstaubbelastung ausgehen können. Zum Video

    Stickstoffdioxid – NO2

    Stickstoffdioxid ist ein Reizgas und wirkt vor allem auf die Atemwege. Hiervon können besonders Asthmatikerinnen und Asthmatiker betroffen sein, da sich ei-ne Bronchialkonstriktion (Bronchienverengung) einstellen kann, die zum Bei-spiel durch die Wirkungen von Allergenen verstärkt werden kann. Kinder und ältere Menschen sind hiervon besonders betroffen.

Was hat es mit dem EU-Vertragsverletzungsverfahren auf sich?

  • Wegen der Überschreitung der Luftqualitätsgrenzwerte für Feinstaub (PM10) hat die Europäische Kommission gegen die Bundesrepublik Deutschland ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet. Für den Luftschadstoff Stickstoffdioxid (NO2) wurde im Juni 2015 ein Vertragsverletzungsverfahren in Form einer Anhörung durch die Europäische Kommission unter anderem gegen Deutschland eingeleitet. Davon betroffen ist vor allem Stuttgart. Beim Feinstaub wurde der Grenzwert 2016 in Stuttgart am Neckartor an 63 Tagen überschritten. Eigentlich zulässig sind maximal 35 Überschreitungen in einem Jahr. In Bezug auf die Stickstoffdioxid-Belastung gab es an der Messstelle Neckartor im Jahr 2016 35 Überschreitungsstunden, erlaubt sind 18 Stunden bei einem Grenzwert von 200 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Mehr Infos zu den Werten finden Sie unter www.stadtklima-stuttgart.de

Was tun Land und die Stadt gegen die hohe Belastung?

  • Aufgrund der besonderen topografischen Lage ist das Thema Luftreinhaltung schon lange ein wichtiges Thema in Stuttgart. Im Vordergrund steht dabei das Recht jedes einzelnen Menschen auf gute Luft. Mit der Verabschiedung der EU-Richtlinie 96/62/EG und deren Umsetzung in nationales Recht (39. Bundes-Immissionsschutzverordnung) gelten in der EU bereits einheitliche lufthygienische Kriterien, die die Luftqualität dauerhaft verbessern sollen. 

    Folgende Maßnahmen haben das Land und die Stadt unter anderem bereits umgesetzt:

    • Umweltzone im ganzen Stadtgebiet seit 2008
    • Lkw-Durchfahrtsverbot
    • Beschluss des ÖPNV-Pakts für die Region Stuttgart zur Förderung umweltfreundlicher Mobilität
    • Die Einführung des Job-Tickets beim Land (ab Januar 2016) und der Stadtverwaltung Stuttgart, welches zu einem Zuwachs der entsprechenden Zeitkarten um rund 85 Prozent geführt hat.
    • Die Einführung des Parkraummanagements im Stadtbezirk Stuttgart-West mit rund 50.000 Einwohnern.
    • Ausbau von Stadtbahninfrastruktur I: Die Linie U6 von Möhringen bis zum Fasanenhof wurde im Jahre 2010 in einem ersten Teilabschnitt in Betrieb genommen. 
    • Ausbau von Stadtbahninfrastruktur II: Die Linie U12 wurde im September 2013 auf einem ersten Teilabschnitt bis zum Stuttgarter Stadtteil Hallschlag in Betrieb genommen.
    • Der Betrieb von 12 Dieselhybridgelenkbussen und 4 Wasserstoffhybridbussen durch die Stuttgarter Straßenbahnen AG im Rahmen einer Strategie zur Verbrauchssenkung, Emissionsminderung und Erprobung neuer Antriebsformen
    • Den Auf- und Ausbau der Integrierten Verkehrsleitzentrale (IVLZ).
    • Die engagierte Förderung der Elektromobilität, u.a. mit rund 500 Ladepunkten in der Stadt, kostenlosem Parken für E-Fahrzeuge und zahlreichen Informationsveranstaltungen für die Bürgerschaft.
    • Die schrittweise Einführung von Tempo 40 auf Steigungsstrecken.


    Luftreinhalteplanung Stuttgart

Welche Maßnahmen sind geplant, um die Belastung weiter zu senken?

  • Im Februar 2017 hat das Land eine Reihe von Maßnahmen für die 3. Fortschreibung des Luftreinhalteplans Stuttgart beschlossen. Die beschlossenen Maßnahmen basierten auf den Ergebnissen eines Gesamtwirkungsgutachtens, welches im Auftrag des Regierungspräsidiums Stuttgart zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität untersucht hat.

    Für die Fortschreibung des Luftreinhalteplans Stuttgart ist ein Bündel an Maßnahmen vorgesehen. Dazu zählen u. a. Maßnahmen zur Verbesserung des ÖPNV, Rad- und Fußverkehrs, Geschwindigkeitsbeschränkungen, die Förderung alternativer Antriebe für Kraftfahrzeuge, Maßnahmen der intelligenten Verkehrssteuerung und innovative Mobilitätskonzepte, wie zum Beispiel Mobilitäts-Apps mit Echtzeit-Daten zu Straßenverkehrsinformationen, Parkplatzbelegungen und ÖPNV-Auskünften. Zudem wird die vom Verkehrsministerium erarbeitete Luftqualitätsverordnung-Kleinfeuerungsanlagen einen Beitrag zur weiteren Reduzierung der Feinstaub PM10-Emissionen leisten.

    Weitere Informationen

    Den Luftreinhalteplan der Landeshauptstadt finden Sie auf der Internetseite des Regierungspräsidiums Stuttgart unter www.rp.baden-wuerttemberg.de/rps

Welche Besserungen bringt eine "Grüne Welle"?

  • Das Verkehrsministerium hat in einer Ergänzungsuntersuchung zum Wirkungsgutachten den hypothetischen Fall „überall in Stuttgart frei fließender Verkehr“ („ideale grüne Welle und Straßenkapazität im Überfluss“) untersuchen lassen. Für das Stadtgebiet Stuttgart wurde hierbei eine NOx-Reduzierung von 4 Prozent und eine Feinstaub PM 10-Reduzierung von 3 Prozent errechnet (Graphik zu Stadtgebiet). Im Talkessel von Stuttgart würde für den hypothetischen Fall „überall frei fließender Verkehr“ rein rechnerisch die NOx-Emissionen um 2 Prozent und die Feinstaub PM 10-Emissionen um 6 Prozent reduziert werden (Graphik zum Talkessel)

    Die in der Debatte zur Luftreinhaltung oftmals vorgebrachte Aussage wie „die Grüne Welle und ein gleichmäßiger Verkehrsfluss bringen eine Reduktion der Stickoxidemissionen um fast ein Drittel“, wird durch diese Ergänzungsuntersuchung zum Wirkungsgutachten widerlegt. Zudem ist zu berücksichtigen, dass die Busse und Stadtbahnen in Stuttgart bei grünen Wellen gegenüber dem Autoverkehr bevorrechtigt sind.

Kommt mehr Feinstaub aus Benzinern als aus Diesel-Autos?

  • Bei Fahrzeugen mit Otto-Motoren (“Benziner”) verbreitet sich in den letzten Jahren die Direkteinspritzung. Sie spart Kohlendioxid, verursacht aber auch Feinstaub. Diese Feinstaub-Menge liegt aber weiter unter den Werten, die frühere Diesel-Fahrzeuge ohne Partikel-Filter ausgestoßen haben. Zudem werden beginnend ab 2017 und verbindlich ab 2018 bei allen Neufahrzeugen so niedrige Grenzwerte gesetzt, dass ein Partikelfilter eingebaut werden muss. In der Tat gab es also Handlungsbedarf auch bei Benzinern.

Woher stammen die Schadstoffe am Neckartor?

  • Die Zusammensetzung der Schadstoffe in der Luft an der Messstation Am Neckartor können Sie der Graphik entnehmen (Bezugsjahr 2015).

Welchen Einfluss hat die Wetterlage auf die Feinstaubbelastung in Stuttgart?

  • Im Herbst und Winter kommen zu den Abgasen aus dem Straßenverkehr verstärkt Emissionen aus Heizungsanlagen, was zu erhöhten Feinstaub Konzentrationen in der Luft führt. Dieser Effekt wird noch verstärkt, wenn zu den niedrigen Temperaturen ein windschwaches Hochdruckgebiet kommt, bei dem sich die Luft nicht mehr austauscht. Hier spricht man auch von einer sogenannten Inversionswetterlage, die z.B. in Stuttgart in Kombination mit der Kessellage die Situation beim Feinstaub zusätzlich verschärft.

Was kann ich zur Minderung der Feinstaubbelastung beitragen?

  • Sofern es Ihnen möglich ist, nutzen sie den ÖPNV, fahren Sie mit dem Fahrrad oder gehen Sie zu Fuß. Arbeiten Sie an Tagen mit Feinstaub-Alarm wenn möglich von zuhause. Wenn Sie auf das Auto nicht verzichten können, dann bilden Sie Fahrgemeinschaften, fahren Sie gleichmäßig und vermeiden Sie nach Möglichkeit abruptes Bremsen und Beschleunigen. Sofern Sie einen Holzofen besitzen, der nicht ausschließlich zum heizen ihres Wohnraumes dient, lassen Sie ihn an Tagen mit Feinstaub-Alarm aus.

Kann ich an Tagen mit Feinstaub-Alarm den ÖPNV umsonst benutzen?

  • Nein, aber es gibt vergünstigte Tickets: Der VVS bietet das neue preisgünstige UmweltTagesTicket an. Dieses ist nicht nur bei Feinstaubalarm, sondern während der gesamten Periode vom 15. Oktober 2017 bis 15. April 2018 erhältlich. Das UmweltTagesTicket wird in drei Preisstufen ausgegeben: für eine bis zwei Zonen (4,50 Euro), für drei bis vier Zonen (7,70 Euro) und ab fünf Zonen (12,10 Euro) für das gesamte Netz. Das Ticket kostet dabei nicht mehr als eine Hin- und Rückfahrt der günstigeren Zone.

Was muss ich als LKW-Fahrer beachten?

  • Im Großraum Stuttgart gibt es ein Gebiet, in welchem nur Lkw fahren dürfen, die hier etwas anliefern oder abholen. Das Lkw-Durchfahrtsverbots Stuttgart betrifft nicht nur das Stadtgebiet Stuttgart, sondern umfasst auch alle Gebiete innerhalb des durchgehend vierspurig ausgebauten Hauptstraßenverkehrsnetzes um Stuttgart herum, begrenzt durch A 8, A 81, B10/27 und B313.

Was bedeutet "Feinstaubalarm"?

  • Bei Feinstaubalarm appellieren die Stadt und das Land Baden-Württemberg an die Stuttgarter und die Pendler aus der Region, das Auto in Stuttgart möglichst nicht zu nutzen und auf umweltfreundliche Alternativen umzusteigen.Ausgelöst wird der Alarm zwischen dem 15. Oktober 2017 und 15. April 2018, sobald der Deutsche Wetterdienst (DWD) an mindestens zwei aufeinanderfolgenden Tagen ein stark eingeschränktes Austauschvermögen der Atmosphäre prognostiziert. 

    Umfangreiche Informationen – auch zu ÖPNV-Vergünstigungen bei Feinstaubalarm – finden Sie unter www.feinstaubalarm.stuttgart.de 


Weitere Informationen

Fragen und Antworten

Hier finden Sie eine Übersicht aller gesammelten Fragen und Antworten rund um die Themen Feinstaubalarm, Luftreinhalteplanung, Verkehrsbeschränkungen und Blaue Plakette.FAQ Übersicht






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