Pressemitteilung

Naturschutz
  • 24.09.2015

Wiedervernetzungsabschnitt an der A5 südlich von Rastatt

Staatssekretärin Gisela Splett, MdL informierte sich am 24. September 2015, vor Ort über den Wiedervernetzungsabschnitt an der Bundesautobahn A5 südlich von Rastatt: „Viele Tier- und Pflanzenarten in Baden-Württemberg sind akut bedroht. Dieser Gefahr für die Artenvielfalt müssen wir begegnen, indem wir Naturschutz flächenwirksam gestalten und als Querschnittsaufgabe verstehen. Dazu gehört die Schaffung einer Infrastruktur, die es Wildtieren erlaubt, ihre Lebensräume möglichst hindernisfrei zu wechseln.“

Splett wies darauf hin, dass die A 5 und die Rheintalbahn, aber auch eine ganze Reihe weiterer Verkehrswege dort einen besonders bedeutenden Wildtierkorridor zerschneiden. Dieser verbindet die Rheinwälder über die Waldgebiete südlich von Rastatt mit dem Schwarzwald. Würde der Korridor wieder durchlässiger gemacht, könnte sich zum Beispiel die Wildkatze, die sich aktuell in den Rheinwäldern wieder angesiedelt hat, weiter in den Schwarzwald verbreiten und so ihren Lebensraum vergrößern.

Der Wildtierkorridor südlich von Rastatt wird von der A 5, der Rheintalbahn – die gerade auf vier Gleise erweitert wird -, von der B 36, der B 3, der ehemaligen B 3 (nun: Kreisstraße K 9617) sowie von zwei Landesstraßen durchschnitten. Mit einem Verkehrsaufkommen von ca. 63.000 Fahrzeugen pro Tag stellt die A 5 dabei die größte Barriere dar und kann von Wildtieren kaum überwunden werden. Aber auch auf den genannten Bundessstraßen und auf der L 67 fahren jeweils mehr als 10.000 Fahrzeuge pro Tag. Martin Strein von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg erklärte: „Schon ab 10.000 bis 15.000 Fahrzeugen pro Tag stellt eine Straße selbst für große Wildtiere eine sehr große Barriere dar, die nur unter hohem Stress überquert wird. Für kleinere, weniger mobile Arten sind solche Straßen praktisch unüberwindbar.“ Auf der in Zukunft viergleisigen Rheintalbahn wird sich zudem das Zugaufkommen stark erhöhen – auch über die Bahntrasse gibt es ohne spezielle Querungshilfen also kaum ein Durchkommen. „Wir haben es hier mit einem sehr komplexen Abschnitt des Bundesprogramms zu tun“, so Strein.

Um die Barrierewirkung der sogenannten „grauen“ Infrastruktur, d.h. Siedlungs- und Verkehrsflächen, zu reduzieren, hat das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur ein Wiedervernetzungskonzept erstellt, das die Problemlage landesweit in den Blick nimmt. Ziel ist es, Lebensräume von Wildtieren und Pflanzen, die von Straßen durchschnitten werden, bestmöglich wieder miteinander zu vernetzen. Ein wichtiger Baustein des Wiedervernetzungskonzepts ist dabei das „Bundesprogramm Wiedervernetzung“, in dem der Bau von Grünbrücken und anderen Tierquerungshilfen an Autobahnen und Bundesstraßen vorgesehen ist.

Im Bereich der Unterquerung der Autobahn durch die Rheintalbahn liegt einer der zwölf im Bundesprogramm Wiedervernetzung enthaltenen prioritären Wiedervernetzungsabschnitte. Thomas Grundhoff von der DB Netz AG Großprojekt Karlsruhe Basel erläuterte, dass im Zuge des Ausbaus der Rheintalbahn darauf geachtet wird, dass die Wildkatze und andere im Raum vorkommende Tiere wie z. B. Fledermäuse Querungshilfen unter der erweiterten Rheintalbahn erhalten. Nördlich und südlich der Grundwasserwanne unter der Autobahn werden zwei Durchlässe gebaut. Außerdem wird der Bereich, in dem der verlegte Ooser Landgraben die Bahntrassen unterquert, wildkatzengerecht ausgestattet. Unter der A 5 bestehen bereits einige Wege- und Gewässerunterführungen, die teilweise auch von Tieren zur Unterquerung der Autobahn genutzt werden. 

Staatssekretärin Splett bekräftigte: „In diesem vielfach von Verkehrswegen zerschnittenen Raum sehen wir, welche Herausforderung es ist, Lebensräume wieder zu vernetzen. Wir sollten dieses Ziel trotzdem auch hier nicht aus den Augen verlieren. Ich bin zuversichtlich, dass wir mit vereinten Kräften ein Netz von grünen Korridoren und eine „grüne Infrastruktur“ so schaffen und gestalten können, dass die biologische Vielfalt langfristig erhalten bleibt, und ich danke allen, die sich im Land dafür einsetzen.“

Hintergrundinformation:

Seit 1975 hat sich das Verkehrsaufkommen in Deutschland vervierfacht, die Zahl der Wildunfälle ist im selben Zeitraum um ein Fünffaches angestiegen. Das ist ein deutliches Zeichen, dass Wildtiere immer mehr Barrieren überwinden müssen, um Nahrung oder Partner zu finden. In unserer dicht bebauten und von Verkehrswegen durchzogenen Kulturlandschaft ist es für Wildtiere nicht einfach, von einem Teillebensraum zum anderen zu wandern. Sie stoßen dabei auf eine Vielzahl von Hindernissen, vor allem in Form von stark befahrenen Straßen. All dies trägt zu der in den letzten Jahrzehnten immer stärker gewordenen Gefährdung vieler Tier- und Pflanzenarten bei.

Südlich von Rastatt wären Querungshilfen an einer ganzen Reihe von Verkehrswegen notwendig, um den Wildtierkorridor tatsächlich wieder durchlässiger zu machen. Das Beispiel zeigt, dass einzelne Wiedervernetzungsmaßnahmen in ein Gesamtkonzept eingebettet werden sollten, und dass die Wiedervernetzung von Lebensräumen in einem verkehrlich so intensiv genutzten Raum wie dem Rheintal eine sehr komplexe und langfristig anzugehende Aufgabe darstellt. 


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