Bürgerbusse


Bürger fahren für Bürger

  • Bürgerbus in Salach (Bild: dpa)

Baden-Württemberg hat bundesweit einen Spitzenplatz im bürgerschaftlichen Engagement inne – über 40 Prozent der Bevölkerung engagieren sich ehrenamtlich in Vereinen, Bürgerinitiativen und anderen Formen zu Themen aller Art. Davonprofitiert auch die Mobilität: In fast allen Landesteilen finden sich inzwischen ergänzende, ehrenamtlich getragene Mobilitätsangebote. Das Land begrüßt diese Aktivitäten und hat seit 2012 verschiedene Unterstützungsangebote aufgebaut.

Was ist ein Bürgerbus?

Das Grundprinzip lautet „Bürger fahren für Bürger“. Ein Bürgerbus wird von ehrenamtlichen Fahrern geplant und betrieben. Bürgerbusse verkehren dort, wo es genügend Freiwillige für diese Aufgabe gibt und wo eine Lücke im Angebot desöffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) besteht. Als weitere Merkmale von Bürgerbussen gelten:

  • Öffentlichkeit: Es handelt sich um ein Verkehrsangebot für die Allgemeinheit.
  • Ortkenntnis und Nähe: Die Aktiven haben engen Kontakt zu Fahrgästen und den anderen Akteuren vor Ort.
  • Es werden kleine Fahrzeuge (maximal acht Fahrgastplätze) eingesetzt, die mit Pkw-Führerschein gefahren werden können.

Legt man diese Definition zugrunde, so gibt es derzeit in Baden-Württemberg gut 30 Bürgerbusverkehre. Daneben sind in etwa einem Dutzend Gemeinden – zuerst in Bad Liebenzell und Oberreichenbach – Bürgerrufautos entstanden. Der Unterschied: beim Bürgerbus handelt es sich um einen Kleinbus auf einer festen Fahrtroute. Das Bürgerrufauto ist dagegen ein Pkw oder Kleinbus, der auf Vorbestellung in einembestimmten Gebiet und Zeitraum verkehrt.

Die Strecken und Fahrplankonzepte werden vor Ort entwickelt und orientieren sich an den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Bürger vor Ort. Dabei gibt es allerdings einige Muster und Grundprinzipien, die an vielen Stellen zu sehen sind: Bürgerbusse und Bürgerrufautos werden meist im Nahbereich innerhalb einer Ortschaft oder für die Verbindung zwischen benachbarten Gemeinden eingesetzt. In manchen Orten (z. B. Uhingen, Wendlingen, Bad Wimpfen oder Bad Krozingen) übernimmt der Bürgerbus die Aufgabe des Stadtbusses, der die verschiedenen Wohngebiete erschließt und mit dem Zentrum und dem Bahnhof verbindet. Dabei spielt auch die Abstimmung mit dem sonstigen Busangebot eine wichtige Rolle. Meist sind die Fahrpläne auf Einkaufs- und Erledigungswege sowie Freizeitfahrten unter der Woche ausgerichtet. Die Bürgerbusse haben neben der Verkehrsfunktion auch eine große soziale Bedeutung: Seniorinnen und Senioren sind eine wichtige Kundengruppe– oft gibt es Hilfe beim Ein- und Ausstieg gratis dazu.

Das Land fördert Bürgerbusse seit 2012 aus Landesmitteln und bietet einen Zuschuss zu den Fahrzeugkosten an. Seit 2015 werden auch die Kosten für den Führerschein zur Fahrgastbeförderung übernommen. Zusammen mit der NVBW wurden eine Reihe von Informationsangeboten wie beispielsweise die Plattform www.buergerbus-bw.de eingerichtet. Auch im Rahmen des Wettbewerbs „E-Mobilität für den ländlichen Raum“ und des Namoreg-Projekts „E-Bürgerbus“  wird ehrenamtlich getragene Mobilität gefördert. In den kommenden Jahren sollen diese Angebote verstetigt und weiterentwickelt werden, um den besonderen Randbedingungen solcher Angebote möglichst gut gerecht zu werden.


Leitfaden Bürgerbusse

Kontakt

Dr. Martin Schiefelbusch

Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg, Kompetenzzentrum innovative Angebotsformen im ÖPNV

Wilhelmsplatz 11
70182 Stuttgart

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