Brücken


Brücken

  • Die Kochertalbrücke (A 6) über das Kochertal (Bild: Regionalverband Heilbronn-Franken)

Der Zustand

Im Zeitraum 2010 bis 2016 konnte die Fläche der Bauwerke an den Autobahnen mit einem ungenügenden Bauwerkszustand (Bauwerksnote 3,5 und schlechter) von 104.689 m² im Jahr 2010 auf 50.170 m² im Jahr 2016 deutlich um 52 Prozent reduziert werden. Bei den Bauwerken an den Bundesstraßen war der Rückgang von 7.890 m² im Jahr 2010 auf nun 7.029 m² im Jahr 2016 vergleichsweise gering. Die auf Grundlage der Brückenfläche gemittelte Zustandsnote aller Brücken an den Autobahnen hat sich von 2,65 im Jahr 2010 auf 2,56 im Jahr 2016 verbessert, während sich die mittlere Zustandsnote aller Brücken an den Bundesstraßen von 2,28 auf nun 2,35 leicht verschlechterte.

Bei den Brücken der Landesstraßen ist im Zeitraum 2010 bis 2016 die Fläche der Bauwerke mit einem ungenügenden Bauwerkszustand (Bauwerksnote 3,5 und schlechter) von 5.050 m²im Jahr 2010 auf 5.464 m² im Jahr 2016 leicht angestiegen. Hierzu korrespondierend hat sich auch bei diesen Bauwerken die auf Grundlage der Brückenfläche gemittelte Zustandsnote aller Brücken von 2,27 im Jahr 2010 auf nun 2,32 im Jahr 2016 leicht verschlechtert.

Die Zustandserfassung erfolgt bei Brücken im Abstand von drei Jahren im Rahmen einer einfachen Prüfung und im Abstand von sechs Jahren im Rahmen einer umfangreichen Hauptprüfung. Im Gegensatz zur Zustandserfassung bei den Straßen finden die Bauwerksprüfungen nicht zu einem Stichtag statt, sondern sind eine fortlaufende Daueraufgabe der Straßenbauverwaltung. Sie werden von besonders qualifizierten und erfahrenen Bauwerksprüfingenieuren der Straßenbauverwaltung oder von ausgewählten externen Ingenieurbüros vorgenommen.

Maßnahmen zur Verbesserung

Die Aufrechterhaltung der Gebrauchstauglichkeit der Brückenbauwerke durch bauliche Instandsetzungsmaßnahmen hat oberste Priorität. Bedingt durch die topographischen Randbedingungen und in Anbetracht der überdurchschnittlichen Verkehrsbelastung gilt dieser Grundsatz für das Land Baden-Württemberg in besonderem Maß. Dementsprechend werden Brücken, für die eine Zustandsnote 3,5 und schlechter festgestellt wurde, im Rahmen der Erhaltungsplanung vordringlich behandelt. Infolge dieser Vorgehensweise konnte die oben dargestellte Verbesserung bei den sehr schlechten Bauwerken erreicht werden, so dass zum Stichtag 1. Januar 2016 lediglich 19 Bauwerke an den Autobahnen, 15 Bauwerke an den Bundesstraßen und 22 Bauwerke an den Landesstraßen der schlechtesten Zustandsklasse zugeordnet waren.

Sofern in Einzelfällen die Gebrauchstauglichkeit tatsächlich eingeschränkt sein sollte, sind geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Als wirkungsvolle Sofortmaßnahme werden in Abstimmung mit den Straßenverkehrsbehörden üblicherweise Verkehrsbeschränkungen in Form von Geschwindigkeits- und/oder Gewichtsbeschränkungen sowie Lkw-Überholverbote oder ein Ausschluss des genehmigungspflichtigen Schwerverkehrs veranlasst. Bislang war es jedoch nur in Ausnahmefällen notwendig, den Gemeingebrauch auf Brücken für einzelne Nutzungsgruppen auszuschließen oder die entsprechende Brücke für den Verkehr komplett zu sperren.

Im Hinblick auf die zeitnahe Umsetzung von notwendigen Instandsetzungsmaßnahmen ist festzustellen, dass die aufwändigen Erkundungs-, Planungs- und Genehmigungsvorläufe die Erhaltungsmaßnahmen teilweise erheblich verzögern. So sind neben der rein technischen Planung auch Aspekte wie zum Beispiel Umwelt- und Naturschutz, Wasserhaushalt, Lärmschutz, Rechte Dritter (insbesondere Grunderwerb) sowie gegebenenfalls notwendige Umleitungskonzepte für die Bauzeit abzuarbeiten. Im Ergebnis ist heute für nahezu alle grundhaften Instandsetzungsmaßnahmen ein Planfeststellungsverfahren durchzuführen. So vergehen bei größeren Maßnahmen selten weniger als 3 Jahre, in der Regel 4 bis 5 Jahre bis zum Baubeginn.

Finanzbedarf in der Brückenerhaltung

Der Finanzbedarf für die Erhaltung der Brücken im Zuge der Bundesautobahnen liegt bei rund 45 Mio. Euro pro Jahr, für die Erhaltung der Brücken im Zuge der Bundesstraßen bei rund 35 Mio. Euro im Jahr und bei den Brücken im Zuge der Landesstraßen bei rund 20 Mio. Euro pro Jahr (jeweils ohne Brückenertüchtigung).

Brückenertüchtigung

Der signifikante Anstieg der Nutzungsanforderungen hat dazu geführt, dass Brücken aufgrund mangelnder Tragfähigkeitsreserven den verkehrlichen Anforderungen heute teilweise nicht mehr gewachsen sind. Die betroffenen Bauwerke müssen daher im Rahmen einer Instandsetzungsmaßnahme über das bisherige Tragfähigkeitsniveau hinaus statisch verstärkt werden, um sie so fit für die Zukunft zu machen (= Ertüchtigung). Sind solche Ertüchtigungsmaßnahmen technisch nicht möglich oder unwirtschaftlich, sind die Bauwerke durch Neubauten zu ersetzen.

Das Land rechnet derzeit mit einem Finanzbedarf zur Ertüchtigung der Brücken (einschließlich Ersatzneubauten) von zusätzlich rund 100 Mio. Euro pro Jahr in einem Zeitraum bis zum Jahr 2028 bei den Bundesfernstraßen (Autobahnen und Bundesstraßen) sowie rund 10 Mio. Euro pro Jahr bei den Landesstraßen.


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