Kreisverkehre

Sicherheit

Kreisverkehre

Die EU-Verordnung „Sicherheitsmanagement für die Straßenverkehrsinfrastruktur“ sieht regelmäßige Sicherheitsinspektionen für das transeuropäische Fernstraßennetz vor. Der Bund und das Land haben diese Überprüfungspflicht für ihre Bundesfern- und Landesstraßen übernommen. Da es in der Vergangenheit in Kreisverkehren zu schwere Unfälle kam, sollen diese Außerorts und in Ortsrandlagen systematisch überprüft werden. Hierbei sollen die zuständigen Behörden in Baden-Württemberg nach den Worten von Verkehrsminister Winfried Hermann MdL künftig stärker mit Augenmaß vorgehen. "Aus Sicht der Verkehrssicherheit ist eine hindernisfreie Kreismittelinsel zwar grundsätzlich die beste Lösung. Allerdings gibt es keine festen Regelungen, wonach bestehende Hindernisse wie Kunstwerke, Bäume oder Findlinge immer zu entfernen sind. Bei der Wahl des Mittels zur Verbesserung der Verkehrssicherheit muss der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gewahrt werden", erklärte Minister Hermann MdL im Februar 2013 in Stuttgart.

Das Ministerium beantwortet die wichtigsten Fragen dazu:

Sind Verkehrskreisel ein Sicherheitsrisiko? Und wer entscheidet das?

  • Für das Ministerium ist entscheidend, dass die Verkehrssicherheit auf den Landstraßen möglichst optimal gestaltet ist. Der Bund und das Land haben sich mit der Übernahme der EU-Verordnung 2008/96/EG ebenfalls verpflichtet ihr Straßennetz regelmäßigen einer Sicherheitsinspektion zu unterziehen. Die Verkehrssicherheit kann unter anderem gefährdet sein, wenn auf einem Verkehrskreisel ein starres Hindernis steht. Das Risiko beurteilen Experten vor Ort. In den allermeisten Fällen erfolgte der „Kreisel-TÜV" in Baden-Württemberg durch Sonderverkehrsschauen der Verkehrsschaukommissionen, die sich aus einem Vertreter der zuständigen örtlichen Straßenverkehrsbehörde, des Straßenbaulastträgers und der Polizei zusammensetzen. In Einzelfällen wurde von den unteren Verwaltungsbehörden ein externer Gutachter hinzugezogen.

Warum wurden bzw. werden die Kreisel jetzt überprüft?

  • Grundlage für die Sicherheitsinspektionen ist die EU-Verordnung 2008/96/EG mit dem Titel „Sicherheitsmanagement für die Straßenverkehrsinfrastruktur". Diese dient dem im „Weißbuch Verkehr" der Europäischen Union formulierten Ziel, dass bis zum Jahr 2050 die Zahl der Verkehrstoten auf Europas Straßen null betragen soll. "Vision Zero" nennt die EU das hehre Ziel. Um es zu erreichen, zählt die Verordnung bei den potenziellen Abhilfemaßnahmen auch die "Beseitigung von neben der Straße befindlichen feststehenden Hindernissen" auf.

Welche Kreisel sind betroffen?

  • In einem Erlass vom 15. November 2011 hatte das Ministerium für Verkehr die Regierungspräsidien darauf hingewiesen, dass bei der Planung und dem Bau neuer Kreisverkehrsplätze an Bundes- und Landesstraßen bei Kreisverkehren auf der freien Strecke auf der Mittelinsel grundsätzlich keine starren Hindernisse vorzusehen und einzubauen sind. Im Übergangsbereich von der freien Strecke zur Ortsdurchfahrt ist im Einzelfall zu prüfen, ob die künstlerische oder bauliche Gestaltung mit Hindernissen unter Verkehrssicherheitsaspekten möglich ist.

    Innerhalb der Ortsdurchfahrten kann eine Kreismittelinsel weiterhin auch in künstlerischer Hinsicht gestaltet werden. Die Regierungspräsidien sowie die unteren Verwaltungsbehörden waren außerdem gebeten worden, für die bereits bestehenden Kreisverkehrsplätze auf Bundes- und Landesstraßen mit einem hohen und mittleren Risiko Sicherheitsaudits durchzuführen und darauf hinzuwirken, dass die Anforderungen der Verkehrssicherheit erfüllt werden. Die Risikoeinstufung ergab sich aus einer ersten Bewertung, die bereits im Jahr 2010 - also noch unter der Vorgängerregierung - durchgeführt wurde.

    Das Ministerium weist die vor Ort zuständigen Behörden darauf hin, dass bei bestehenden Kreisverkehrsplätzen gegebenenfalls neben der Verkehrssicherheit noch andere schützenswerte Belange in eine sorgfältige Abwägung einzubeziehen sind. Das setzt insbesondere eine auf den Einzelfall bezogene Prüfung voraus, ob es neben der Beseitigung eines starren Hindernisses auf der Mittelinsel (Kunstwerk, Baum, Findling etc.) auch andere Möglichkeiten gibt, verkehrssichere Verhältnisse herzustellen.

    Vor der Hintergrund der heftigen Diskussionen um die Entfernung von Kunstwerken und Bäumen in bestehenden Kreisverkehrsplätzen hat das Ministerium für Verkehr zur Konkretisierung des Erlasses vom 15. November 2011 "Ergänzende Hinweise" erarbeitet, die den zuständigen Behörden die Entscheidung für eine geeignete und angemessene Maßnahme im Einzelfall erleichtern sollen.

Welche Alternativen gibt es zur Entfernung von starren Hindernissen?

  • Zur Verbesserung der Verkehrssicherheit kommen beispielsweise auch folgende Maßnahmen in Betracht:

    • Anböschungen/Aufschüttung
    • Verwendung von Anpralldämpfern
    • Geschwindigkeitstrichter, ggf. in Kombination mit fester Geschwindigkeitsüberwachung
    • Zusätzliche StVO-Gefahrstellenbeschilderung (Überholverbot, Gefahrstelle, Gefährlicher Knotenpunkt)
    • passive Beleuchtung des Kreisverkehrsplatzes (Reflektoren)
    • zusätzliche Fahrbahnmarkierung („Vorfahrt beachten")
    • Rüttelstreifen in den Zufahrtsästen
    • Sollbruchstellen am Kunstobjekt
    • Umbau des Knotenpunktes, insbesondere der Zufahrten.

Was bedeutet hohes bzw. mittleres Risiko?

  • hohes Risiko: starre Hindernisse, Aufprallenergie punktuell konzentriert, hohes Gefährdungspotenzial. mittleres Risiko: Hindernisse wenig nachgiebig, Aufprallenergie verteilt, mittleres Gefährdungspotenzial. geringes Risiko: vereinzelte kleine Hindernisse, Gefährdung nicht ausgeschlossen. kein Risiko: kein Gefährdungspotenzial erkennbar.

    Zur besseren Einordnung hat das Ministerium einige Beispiele gesammelt:

 

Verkehrssichere Mittelinsel-Gestaltung

Zwei gelungene Beispiele aus Baden-Württemberg:

Walldorfer Straße - Schwetzinger Straße in Ketsch (Bild: Karin Bauer-Weisenstein)

 

 

Leintalstraße - Scheurenfeldstraße - Lederäcker - L1080 - K3326 in Dewangen (Bild: Thomas Kappel/ www.thomaskappel.de)

 

 


Polizei Baden-Württemberg

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