Verkehrssicherheitskonzept

Das Verkehrssicherheitskonzept des Landes
  • 02.07.2013

Vorsicht, Rücksicht, Fairness

Weniger Tote und Verletzte im Straßenverkehr – das ist das Ziel des neuen Verkehrssicherheitskonzeptes für Baden-Württemberg, das die Landesregierung beschlossen hat. Es umfasst ein ganzes Bündel an Maßnahmen: bauliche Verbesserungen, mehr Informationen und Vorbeugung, mehr Kontrollen.

„Wir wollen die Zahl der Toten und Verletzten im Verkehr deutlich reduzieren. Im Jahr 2020 sollen als wesentlicher Schritt hin zu einer „Vision Zero“ 40 Prozent weniger Menschen auf Baden-Württembergs Straßen zu Tode kommen als 2010“, sagen Verkehrsminister Winfried Hermann und Innenminister Reinhold Gall. Ihre Ressorts haben das Verkehrssicherheitskonzept gemeinsam entwickelt.

Die Landesregierung möchte nicht hinnehmen, dass jedes Jahr die Anzahl der Verkehrstoten (2015: 483) der Einwohnerzahl eines kleinen Dorfes entspreche. „Jeder tödliche Unfall reißt einen Menschen plötzlich aus dem Leben. Er hinterlässt eine unersetzliche Lücke in der Familie, im Freundeskreis und häufig auch im Berufsleben“, sagt Innenminister Reinhold Gall. Auch sei vielen nicht bewusst, dass der jährliche volkswirtschaftliche Schaden durch Unfälle in Baden-Württemberg fast drei Milliarden Euro betrage.

Gesamtstrategie für mehr Verkehrssicherheit

Um dies zu vermeiden, integriert das Verkehrssicherheitskonzept bauliche Verbesserungen an Straßen, Kontrollen und Prävention in eine Gesamtstrategie. „Wir setzen bei den Menschen an – indem wir etwa gezielt auf besonders gefährdete Zielgruppen wie Senioren zugehen. Wir appellieren an die Hersteller, die Sicherheitstechnik von Fahrzeugen zügig weiter zu entwickeln und unterstützen entsprechende Vorgaben. Und wir optimieren die Infrastruktur mit dem Ziel fehlerverzeihender Straßen“, sagt Verkehrsminister Hermann.

Straßen sicherer machen

Ein wichtiger Baustein für die Entschärfung von Brennpunkten ist das neue Verkehrssicherheitsscreening. Erstmals führt das Verkehrsministerium alle beim Land verfügbaren Daten zu Unfällen auf einer Plattform zusammen. „Damit können wir die Straßen im Land bis auf die Ebene von 100-Meter-Abschnitten auf Unfallschwerpunkte hin analysieren. In dieser Detailtiefe durchleuchtet kein anderes Bundesland sein Netz“, erklärt Verkehrsminister Hermann. Auf diese Weise können besonders kritische Strecken identifiziert und Mittel gezielt eingesetzt werden „Wir werden uns sehr genau anschauen, wo die besonders kritischen Punkte liegen und wie wir die Sicherheit dort verbessern können“, erklärt Hermann. Mögliche Maßnahmen sind etwa die Modernisierung der Leitplanken, Fahrbahnmarkierungen gegen Geisterfahrer, die Beseitigung von Hindernissen im Seitenraum oder der Einsatz von Rüttelstreifen. Gerade auch dafür ist es wichtig, dass die Landesregierung die Mittel für Erhalt und Sanierung von Landesstraßen auf 100 Millionen Euro verdoppelt hat.

Mehr Verkehrskontrollen

„Verkehrssicherheitsarbeit ist auch eine Kernaufgabe der Polizei. Deutlich mehr Menschen verlieren ihr Leben im Straßenverkehr als durch Kriminalität“, stellt Innenminister Reinhold Gall fest. Die Landesregierung sorge jetzt für Verkehrssicherheit aus einem Guss. Durch das Verkehrssicherheitskonzept und die bevorstehende Umsetzung der Polizeistrukturreform schaffe die Landesregierung dafür gute Voraussetzungen.

Ein Baustein für den Erfolg der Verkehrssicherheitsarbeit sei nachweislich eine konsequente Verkehrsüberwachung. Denn fast jeder zweite tödliche Verkehrsunfall im Land ist auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen. „Wir wollen und müssen mehr kontrollieren, gerade bei den Verkehrsverstößen, die unfallträchtig sind oder andere Verkehrsteilnehmer oder Anwohner zu Recht aufregen. Das wird vor allem durch die neuen Verkehrspolizeidirektionen in den zwölf Präsidien gewährleistet“, sagt der Innenminister.

Fahrkultur der Fairness

Insgesamt setzt das Verkehrssicherheitskonzept jedoch vor allem auf mehr Vorbeugung. Es beinhaltet viele präventive Maßnahmen – wie etwa Radfahrausbildung in allen vierten Klassen der Grundschule. „Mehr Sicherheit entsteht vor allem im Kopf jedes einzelnen Verkehrsteilnehmers. Eine Fahrkultur der Fairness wird viele Risiken minimieren“, sagt Hermann.

Verkehrssicherheit vor Ort

Verkehrsschau

Angesiedelt bei den 150 Straßenverkehrsbehörden vor Ort (Landratsämter und Große Kreisstädte) nehmen die Mitglieder der Verkehrsschaukommissionen eine wichtige präventive Funktion wahr: Sie begutachten laufend den Zustand und die Sicherheit der Verkehrswege, die Sichtbarkeit von Verkehrszeichen und Verkehrseinrichtungen. Die Mobile Verkehrssicherheitskommission ist beim Ministerium für Verkehr angesiedelt und erfüllt zentrale Aufgaben im Bereich der Straßenverkehrssicherheit. Sie untersucht besonders schwierige Unfallhäufungen, führt Landesverkehrsschauen durch und wirkt an der Fortentwicklung der Straßenverkehrssicherheit und des Straßenverkehrsrechts mit.

Unfallschwerpunkte

Alle Unfälle im Straßenverkehr werden von der Polizei akribisch erfasst. Folgende Daten werden in einer landesweiten Datenbank gespeichert und ausgewertet: beteiligte Verkehrsteilnehmer, Unfallort, Datum und Uhrzeit, Unfallfolgen.

Folgende Unfallorte werden als Unfallschwerpunkte eingestuft:

  • Fünf gleichartige Unfälle innerhalb eines Jahres
  • Fünf Unfälle mit Personenschäden innerhalb von drei Jahren
  • Drei Unfälle mit Schwerverletzten oder Todesopfern innerhalb von drei Jahren

Unfallkommissionen

Unfallkommissionen untersuchen gezielt gleichartige und gehäuft auftretende Unfälle an Unfallschwerpunkten und entwickeln Lösungsvorschläge zur Vermeidung. Die Maßnahmen werden dem jeweiligen Unfallschwerpunkt angepasst und so schnell wie möglich umgesetzt.


Weitere Informationen

Die Maßnahmen des Landes gegen FalschfahrerZur Pressemitteilung


Straßenverkehrsunfälle seit 1970
Mehr


Tempolimits in OrtsdurchfahrtenLandesstraßen


Bundesstraßen


Tempolimits auf Autobahnen in Baden-WürttembergMehr

Fußleiste