Blaue Plakette

Plakette

Wie wirksam ist eine Blaue Umweltzone?

  • Blaue Plakette (Bilderquelle:Fotolia/stockWERK)

Gutachten zur Blauen Umweltzone und weiteren Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität in Stuttgart

Die Einführung der Umweltzone, eines Lkw-Durchfahrtsverbots und Maßnahmen zur Verstetigung des Verkehrs haben in Stuttgart in den letzten Jahren bereits zu einer Verbesserung der Luftqualität geführt. Allerdings werden die Grenzwerte für Stickstoffdioxid (NO2) und Feinstaub (Partikel PM10) nach wie vor nicht an allen Stuttgarter Messpunkten eingehalten. Das gilt besonders für Straßenabschnitte mit hohem Verkehrsaufkommen in der Innenstadt. Die LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg hat deshalb untersuchen lassen, wie sich die Schadstoffbelastung in und um Stuttgart bis zum Jahr 2020 an den Hauptstraßen entwickeln wird und wie sich verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität auswirken könnten.

Mithilfe von Verkehrsmodellen wurden für die Hauptverkehrsstraßen die Schadstoffkonzentrationen sowohl für das Jahr 2014 berechnet als auch die zu erwartenden Schadstoffkonzentrationen für das Jahr 2020 prognostiziert. Die Auswertungen erfolgten für das Stadtgebiet und den Ballungsraum Stuttgart. Das Stadtgebiet verfügt über rund 300 Kilometer Hauptverkehrsstraßen, der Ballungsraum über 700 Kilometer. Die Modelldaten zeigen, dass im Jahr 2014 Grenzwertüberschreitungen nicht nur am Neckartor auftraten, sondern an weiteren viel befahrenen Straßen in und um Stuttgart.

Entsprechend der Berechnungen wurden die Grenzwerte für Stickstoffdioxid im Jahr 2014 im Stadtgebiet Stuttgart an fast 100 Kilometern des Hauptverkehrsnetzes überschritten, im Ballungsraum Stuttgart sogar an rund 180 Kilometern. Von Überschreitungen der Grenzwerte beim Feinstaub waren über 8 Kilometer im Stadtgebiet Stuttgart betroffen, im Ballungsraum über elf Kilometer. Für das Jahr 2020 wird prognostiziert, dass die Streckenabschnitte, bei denen der Grenzwert für Stickstoffdioxid überschritten wird, im Stadtgebiet Stuttgart von 100 auf rund elf Kilometer zurückgeht, im Ballungsraum von 180 auf rund 14 Kilometer. Bei dieser Modellrechnung wurden die bisher bereits ergriffenen Maßnahmen sowie die abnehmende Hintergrundbelastung berücksichtigt.

In diesem Modell machen sich die Modernisierung der Fahrzeugflotte und die allgemein rückläufigen Schadstoffemissionen bemerkbar. Die Streckenabschnitte, bei denen die Feinstaubgrenzwerte überschritten werden, reduzieren sich im Stadtgebiet Stuttgart von über acht Kilometer auf weniger als drei Kilometer. Außerhalb des Stadtgebiets werden laut Prognosen keine Feinstaubgrenzwerte mehr überschritten. 

Blaue Umweltzone halbiert die lokale verkehrliche Zusatzbelastung

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Luftschadstoffgrenzwerte im Jahr 2020 an mehreren Streckenabschnitten nicht eingehalten werden können, wenn keine zusätzlichen Luftreinhaltemaßnahmen ergriffen werden. Es genügt also nicht, die laufende Erneuerung der Fahrzeugflotte und die damit verbundenen niedrigeren Emissionen an Stickstoffoxiden und Feinstaubpartikeln abzuwarten. Deshalb hat das Verkehrsministerium die LUBW beauftragt, prüfen zu lassen, wie sich unterschiedliche verkehrliche Maßnahmen auf die von Grenzwertüberschreitungen betroffenen Streckenlängen auswirken könnten. 

Zu den untersuchten Maßnahmen gehören: 

  • die Beschränkung der Umweltzone auf Dieselfahrzeuge der Euro-Normen 6 (Pkw) und VI (Lkw) sowie Ottomotoren ab Euro-Norm 3,
  • die Reduktion des Kfz-Verkehrs um 20 Prozent.

Die Maßnahme „Blaue Umweltzone“ bewirkt 2020 an der hoch belasteten Spotmessstelle Stuttgart Am Neckartor eine Minderung des Jahresmittelwerts für Stickstoffdioxid von 17 Mikrogramm pro Kubikmeter gegenüber einer Belastung 2020, die sich ergäbe, wenn keine zusätzlichen Maßnahmen ergriffen werden würden. Für diesen Trend wurde die lokale verkehrliche Zusatzbelastung 2020 mit 35 Mikrogramm pro Kubikmeter berechnet, das heißt, dass die blaue Umweltzone lokal zu einer Halbierung der verkehrlichen Stickstoffdioxidbelastung führt!

Die Verminderung des Gesamtverkehrs um 20 Prozent führt für sich betrachtet zu einer lokalen Stickstoffdioxid-Abnahme von 8 Mikrogramm pro Kubikmeter am Stuttgarter Neckartor.

Die Wirkung beider Maßnahmen überlagern sich, so dass bei Betrachtung beider Maßnahmen 2020 die Stickstoffdioxid-Belastung am Neckartor um 21 Mikrogramm pro Kubikmeter abnimmt.

Die Kombination einer weiterentwickelten und erweiterten Umweltzone, die Dieselfahrzeuge der Euro-Normen 4/IV und 5/V ausschließt, mit einer Reduktion des gesamten Kfz-Verkehrs um 20 Prozent könnten bewirken, dass bis zum Jahr 2020 die von Grenzwertüberschreitungen betroffenen Streckenlängen in Stuttgart auf weniger als zwei Kilometer für Stickstoffdioxid und Feinstaub abnehmen. Eine Einhaltung der Grenzwerte würde in diesem Fall für die allermeisten Straßenabschnitte im Stuttgarter Stadtgebiet in greifbare Nähe rücken.


Weitere Informationen

Fragen und Antworten

Hier finden Sie eine Übersicht aller gesammelten Fragen und Antworten rund um die Themen Feinstaubalarm, Luftreinhalteplanung, Verkehrsbeschränkungen und Blaue Plakette.FAQ Übersicht

LUBW-Projektberichte

Wirkungsabschätzung weiterer Maßnahmen für den Ballungsraum Stuttgart
Bd. I: Eingangsdaten und Trendprognose


Bd. II: Wirkungsberechnung konkreter Maßnahmen

Umweltzonen in Baden-Württemberg
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