Konfliktstellen


Landeskonzept Wiedervernetzung - Auswahl und Priorisierung von Konfliktstellen

  • Wildkatze mit Jungtier (Bild: Fotolia.com/ Sergejs Ivanovs)

Auswahl und Priorisierung von Konfliktstellen auf Basis des Fachplans „Landesweiter Biotopverbund Baden-Württemberg“ und des Generalwildwegeplans

Im Jahr 2012 wurde der Fachplan „Landesweiter Biotopverbund Baden-Württemberg" vom Landeskabinett verabschiedet, der im Auftrag des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) erarbeitet worden ist. Ziel des Fachplans ist es, heimische Arten und ihre Lebensräume nachhaltig zu sichern sowie funktionsfähige, ökologische Wechselbeziehungen in der Landschaft zu bewahren, wieder herzustellen und zu entwickeln. Der Fachplan ist inzwischen auch im novellierten Landesnaturschutzgesetz verankert und bezieht sich schwerpunktmäßig auf das Offenland. Der Generalwildwegeplan (GWP) wurde mit den dort enthaltenen Wildtierkorridoren in den Fachplan integriert. Der GWP hat im Jahr 2015 mit der Aufnahme in das Jagd- und Wildtiermanagementgesetz ebenfalls eine konkrete gesetzliche Grundlage erhalten. Er wurde von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) im Auftrag des MLR entwickelt und im Mai 2010 vom Landeskabinett verabschiedet.

Aufbauend auf den oben genannten Fachplänen wurde im Auftrag des Verkehrsministeriums von der Arbeitsgruppe für Tierökologie und Planung und der FVA eine fachliche Grundlage für die Auswahl und Priorisierung von Wiedervernetzungsabschnitten an Straßen in Baden-Württemberg erarbeitet. Alle Bundesfernstraßen sowie Landes- und Kreisstraßen mit einer durchschnittlichen täglichen Verkehrsbelastung (DTV) von ≥ 5.000 Kfz / 24 h wurden dabei berücksichtigt. Dabei standen Straßenabschnitte im Fokus, an denen eine lokale Entschärfung oder Beseitigung der heutigen Trennwirkung für die Stärkung des Biotopverbunds oder Sicherung eines Wildtierkorridors besonders bedeutsam sind.

Ermittlung von Konfliktstellen auf Basis des Fachplans „Landesweiter Biotopverbund"

Als besonders bedeutsame Räume des Biotopverbunds (Verbundräume) wurden diejenigen Flächen ausgewählt, die landesweit und auf Naturraumebene die größte Kernflächensumme aufweisen. Kernflächen stellen das essentielle Gerüst des Biotopverbundsystems dar und setzen sich aus gesetzlich geschützten Biotopen, Flächen des Artenschutzprogramms, Grünlandflächen von besonderer europäischer Bedeutung und Streuobstgebieten zusammen. Im Sinne des Fachplans wurde dabei getrennt nach Kernflächen feuchter, mittlerer und trockener Standorte.

Die Verbundräume wurden mit dem relevanten Straßennetz verschnitten. Hierdurch konnten die maßgeblichen Straßenabschnitte, die zu einer Zerschneidung der Verbundflächen führen, ermittelt werden. Als Grundlage für die weitergehende Auswahl und die Priorisierung der Wiedervernetzungsabschnitte wurde berechnet, welcher mögliche Zugewinn an Kernfläche zu einem Verbundraum erreicht werden kann, wenn an dem betroffenen Straßenabschnitt eine Wiedervernetzungsmaßnahme realisiert wird. Im weiteren Verlauf wurden vor allem die Abschnitte betrachtet, an denen möglichst durch einzelne oder wenige Wiedervernetzungsmaßnahmen ein relevanter Zugewinn an Kernflächen erreicht werden kann. Als weitere wesentliche Kriterien wurden die Nähe von Kernflächen zu einer potenziellen Querungsstelle, der mögliche Beitrag zur ökologischen Kohärenz von Natura 2000-Gebieten sowie die naturschutzfachliche Bedeutung auf Basis einer Einschätzung der Fachgutachter herangezogen. Die in diesem Arbeitsschritt ermittelte Vorauswahl sowie weitere potenziell interessante Abschnitte wurden näher vor dem Hintergrund der örtlichen Umfeldsituation, anhand einer Luftbildsichtung und ggf. mittels weiterer Quellen geprüft. Ungeeignet erscheinende Bereiche wurden dabei ausgeschieden.

Ermittlung von Konfliktstellen auf Basis des Generalwildwegeplans

Für die Ermittlung Konfliktstellen auf Basis des Generalwildwegeplans konnte auf die im GWP (Stand 2010) bereits enthaltene Priorisierung von Straßenabschnitten für die Wiedervernetzung zurückgegriffen werden. Darauf aufbauend wurde in einem ersten Schritt zunächst die maßstäbliche Bedeutung des Korridors (international, national oder landesweit) in Verbindung mit der Eignung für ein engeres (Wald bewohnende Säugetiere) bzw. ein breiteres Artenspektrum (multifunktional) herangezogen. Außerdem wurde die Barrierewirkung abhängig von der Verkehrsstärke (am höchsten: Autobahnen; Bundes-, Landes- und Kreisstraßen mit einer DTV von > 15.000 Kfz / 24 h) berücksichtigt. Auf diese Vorauswahl wurden anschließend weitere Kriterien angewendet. Dazu zählen vor allem eine räumliche Beziehung zu einem der zwölf prioritären Abschnitte des Bundesprogramms Wiedervernetzung oder zu einer Engstelle des Korridors zwischen Siedlungsbereichen, Vorkommen und Ausbreitungsräume seltener Arten wie z. B. der Wildkatze, eine hohe erwartete Effizienz durch Maßnahmen an nur einem Straßenabschnitt sowie die Ergebnisse der landesweiten Erhebung der Wildunfallschwerpunkte. Die Schutzgebietskulisse war bereits bei der Herleitung der Korridore berücksichtigt worden, wurde als Effizienzkriterium aber nochmals überprüft und einbezogen.

Priorisierung der Konfliktstellen

Für die Gesamtpriorisierung der Maßnahmenbereiche verknüpften die Arbeitsgruppe für Tierökologie und Planung und die FVA die Ergebnisse aus beiden oben stehenden Analysen. In die Priorisierung flossen zudem die Ergebnisse einer Abfrage aus dem Jahr 2014 zu wichtigen Tierquerungsabschnitten bei den unteren Verwaltungsbehörden, Regierungspräsidien und Landesnaturschutzverbänden ein.

Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse wurde eine Liste mit den 125 wichtigsten Konfliktstellen im Land erstellt. Daraus wurde eine Reihung mit den vorrangigsten 25 Wiedervernetzungsabschnitten erarbeitet. Die prioritären Abschnitte des Bundesprogramms kommen in erster Linie der Wiedervernetzung der Lebensräume Wald bewohnender Arten zu Gute. Da die biologische Vielfalt hiermit nicht ausreichend berücksichtigt wird, wurden Maßnahmenbereiche im Offenland auf die ersten fünf Plätze in der Tabelle gesetzt. Danach wurde abwechselnd jeweils eine Konfliktstelle des GWP und des Offenlandes aufgelistet. So berücksichtigt die Liste unterschiedliche Kriterien aus dem GWP und der Fachplan-Analyse.

Für alle gereihten Maßnahmenbereiche liegen Karten vor, in denen der jeweilige Abschnitt vor dem Hintergrund der topographischen Karte und des umgebenden Ausschnitts der Verbundraumkulisse des Fachplans landesweiter Biotopverbund bzw. des GWP dargestellt ist. Für die vorrangigsten 25 Wiedervernetzungsabschnitte existieren darüber hinaus Steckbriefe und eine Übersichtskarte, die auch die prioritären Wiedervernetzungsabschnitte des Bundesprogramms beinhaltet.


Auswahl und Priorisierung von Konfliktstellen

125 wichtigste Konfliktstellen im LandListe


25 vorrangige WiedervernetzungsabschnitteListe


Steckbriefe (Bitte Lesezeichen öffnen)


Karte

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