Elektrifizierung und Ausbau der Hochrheinstrecke

Schienen (Bild: Fotolia/ Finkenherd)

Der Ausbau und die Elektrifizierung der Hochrheinbahn zwischen Erzingen und Basel wird nicht nur einen nachhaltigen und verlässlicheren Schienenpersonennahverkehr ermöglichen, sie unterstreichen außerdem die Bedeutung dieser grenzüberschreitenden Region. Zugleich wird die Chance eröffnet, auch verkehrliche Verbesserungen auf der wichtigen Ost-West-Verbindung umzusetzen. Ziel ist es, die Schieneninfrastruktur auf der Hochrheinbahn zukunftsfähig und bedarfsgerecht auszubauen.

Es ist erklärtes Ziel der Landesregierung, den Anteil elektrifizierter Schienenstrecken in Baden-Württemberg zu erhöhen, um damit einen weiteren Beitrag zum umweltgerechten SPNV zu leisten. 

Projektverlauf

Die Elektrifizierung des Streckenabschnitts zwischen Erzingen (Baden) und Schaffhausen, der über Schweizer Gebiet verläuft, ist bereits seit Dezember 2013 fertiggestellt. Anfang 2016 haben sich das Land Baden-Württemberg, die Land-kreise Waldshut und Lörrach, der Regionalverband Hochrhein-Bodensee, das Schweizer Bundesamt für Verkehr sowie die Kantone Basel-Stadt und Schaffhausen auf eine Absichtserklärung verständigt. In dieser erklären sie den gemeinsamen politischen Willen, die Hochrheinstrecke zwischen Basel und Erzingen zu elektrifizieren. Bekräftigt wurde die Absichtserklärung durch die Unterzeichnung der Finanzierungsvereinbarung für die Entwurfs- und Genehmigungsplanung im September 2017, die Grundvoraussetzung für einen Antrag zur Erlangung des Planrechts und der Finanzierung beim Eisenbahnbundesamt ist. Neben den Landkreisen Lörrach und Waldshut, dem Kanton Basel-Stadt und dem Land Baden-Württemberg beteiligt sich auch die EU mit einer Interreg-Förderung an den Kosten der Planungsleistung.

Mit Fortführung der Planungsleistungen hat sich ergeben, dass neben der reinen Elektrifizierung auch weitere Infrastrukturmaßnahmen notwendig werden, um einen reibungslosen und stabilen Bahnbetrieb entlang des Hochrheins sicherzustellen. Dazu sind beispielsweise neue Haltepunkte in den Städten Rheinfelden, Bad Säckingen und Waldshut-Tiengen angedacht. 

Zudem sollen bestehende Bahnsteiganlagen verlängert werden, damit zur Bewältigung des Fahrgastanstiegs auch längere Züge sowie die Fahrzeuge der Schweizer S-Bahn eingesetzt werden können. Zeitgleich sollen Barrierefreiheit und eine einheitliche Bahnsteighöhe von 55 Zentimetern realisiert werden.

Im eingleisigen Anschnitt zwischen Erzingen und Waldshut wird es zu lokalen streckenseitigen Anpassungen kommen. Ausbaumaßnahmen in den Bahnhöfen Lauchringen und Tiengen sind ebenfalls vorgesehen, um Zugkreuzungen zu ermöglichen. Im zukünftigen Anschlussknoten Waldshut müssen Anpassungen vorgenommen werden, um beispielsweise die Durchbindungen in den Kanton Aargau sicherzustellen. In diesem Rahmen ist auch ein zusätzlicher Bahnstieg auf der Nordseite des Bahnhofs geplant.

Ausblick

Das Land, die Landkreise Waldshut und Lörrach, der Kanton Basel-Stadt und die weiteren Projektpartner arbeiten gemeinsam an einer raschen Umsetzung. Für die zusätzlichen infrastrukturellen Maßnahmen werden weitere Planungsleistungen erforderlich.

Dazu sollen unter den Projektpartnern im Verlauf der ersten Jahreshälfte 2019 die ausstehende Finanzierung für jene Planungsleistungen gesichert werden, die zuvor nicht Bestandteil der Elektrifizierungsmaßnahmen waren. Die Zustimmung der zuständigen Gremien auf deutscher und schweizer Seite ist noch erforderlich.

Die infrastrukturellen Verbesserungen wirken sich auch auf die Kostenentwicklung aus. Zu Beginn des Projektes waren für die reine Elektrifizierung Kosten in Höhe von 160 Millionen Euro vorgesehen. Bedingt durch die aktuelle Marktpreisentwicklung im Bausektor liegt die Kostenschätzung alleine für die Elektrifizierung bei mittlerweile 180 Millionen Euro.

Mit Berücksichtigung der weiteren infrastrukturellen Maßnahmen zur Verbesserung und Ausweitung des SPNV-Angebots entlang der Hochrheinbahn, hat sich das Projekt von der Elektrifizierung hin zum „Ausbau und zur Elektrifizierung der Hochrheinbahn für den Schienenpersonennahverkehr“ entwickelt. Dafür werden seitens der DB aktuell Investitionen in Höhe von 290 Millionen Euro veranschlagt (Preisstand 2018).

Die Finanzierung des Ausbaus und der Elektrifizierung des Hochrheins sollen im Rahmen des deutschen Bundes-Gemeindeverkehrsfinanzierungsprogramms (BGVFG) erfolgen. Mit diesem Programm können Nahverkehrsvorhaben durch den deutschen Bund mit einem Anteil von bis zu 60 Prozent der Baukosten finanziert werden. Die übrigen 40 Prozent der Kosten sollen je hälftig zwischen den deutschen und schweizer Beteiligten aufgeteilt werden. Auf schweizer Seite ist die Finanzierung im Zuge des Strategischen Entwicklungsprogramms Bahninfrastruktur (STEP) Ausbauschrittes 2035 vorgesehen.

Zurzeit arbeitet die DB an der Entwurfs- und Genehmigungsplanung. Die Plangenehmigungsunterlagen sollen im zweiten Halbjahr 2020 eingereicht werden. Abhängig von der Finanzierung des gesamten Projekts, der Dauer der Plangenehmigungsverfahren und der Gestaltung des Bauablaufs sind der Ausbau und die Elektrifizierung derzeit für den Zeitraum 2025 bis 2027 geplant.

  • Gutachten

Elektrifizierung Schiene

Die Landesregierung hat eine Untersuchung mit dem Ziel in Auftrag gegeben, Aspekte für die Elektrifizierung von dieselbetriebenen Eisenbahnstrecken in Baden-Württemberg zu identifizieren  und daraus auf der Basis des Verfahrens der „Standardisierten Bewertung von Verkehrswegeinvestitionen des ÖPNV“ ergänzend ein kompatibles, handhabbares Bewertungsverfahren zum Nachweis der Elektrifizierungswürdigkeit solcher Strecken zu erstellen.

 

Gesamtwirtschaftliche Bewertung der Elektrifizierung von Dieselstrecken in BW