Nahverkehr

Hermann überreicht Förderbescheid zum Ausbau der VVS-Echtzeitinformationen

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Das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur (MVI), der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) und die 40 Verkehrsunternehmen in der Region Stuttgart sind sich einig: Im öffentlichen Personennahverkehr von morgen wird „Echtzeit“ selbstverständlich sein. Echtzeitinformation bedeutet, dass Fahrgäste nicht nur über die fahrplanmäßigen Soll-Zeiten, sondern auch über die tatsächlichen Abfahrtszeiten der Bahnen und Busse informiert sind. „Wir sind überzeugt davon, dass mit dem Angebot einer flächendeckenden Fahrgastinformation in Echtzeit der ÖPNV auf eine neue Qualitätsstufe kommt“, sagte Verkehrsminister Winfried Hermann am Mittwoch in Weinstadt.

Er fügte hinzu:„Gerade in ländlichen Räumen mit einem weniger dichten Angebot ist die Information über etwaige Verspätungen und Sicherung von Anschlüssen besonders wichtig. Deshalb sind wir gerne bereit, den flächendeckenden Ausbau der Echtzeit im gesamten Verbundgebiet des VVS mit 1,8 Millionen Euro zu fördern.“ Der Minister überreichte zugleich einen entsprechenden Förderbescheid an den Geschäftsführer des VVS, Horst Stammler. Der Zuschuss wird aus Mitteln des Modellvorhabens „Nachhaltig mobile Region Stuttgart“ finanziert. Mit diesem Programm sollen Projekte finanziert werden, die die Nachhaltigkeit im Verkehrsbereich fördern und die Modellcharakter für das ganze Land Baden-Württemberg haben.

Nach den Worten von Minister Hermann sollen die Echtzeitdaten der verschiedenen Verkehrsverbünde und Verkehrsunternehmen in Baden-Württemberg künftig in einer zentralen Datendrehscheibe bei der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW) gebündelt werden. In der elektronischen Fahrplanauskunft Baden-Württemberg (EFA-BW) sollen dann die Echtzeitdaten aller Bus- und Bahnverbindungen des Landes abrufbar sein. „Mit Echtzeitdaten wird die elektronische Fahrplanauskunft zum ‚Navi‘ für den ÖPNV“, erklärte Minister Hermann.

Mit Echtzeitinformationen sind Fahrgäste überall und jederzeit über die nächsten Bus- und Bahnverbindungen informiert. Sei es vor der Reise am heimischen PC oder im Büro, unterwegs mit dem Handy, an der Haltestelle über eine Anzeigetafel oder im Zug über Monitore. „Dank der Echtzeitinformationen wissen Fahrgäste schon im Café oder der Kneipe, ob sie vor der Abfahrt ihrer Bahn oder ihrer Busses noch ein Getränk bestellen können oder rasch zahlen und flotten Schrittes zur Haltestelle marschieren müssen“, sagte VVS-Geschäftsführer Horst Stammler. „Und wenn es mal zu Verspätungen kommt, sind Fahrgäste gut informiert und können gegebenenfalls eine alternative Verbindung abrufen“. Aber nicht nur die Fahrgäste sind besser informiert. Auch die Busfahrer erhalten Echtzeitinformationen über die anderen Verkehrsmittel im VVS und können zum Beispiel bei verspäteten S-Bahnen, sofern es der betriebliche Ablauf ermöglicht, etwas später abfahren und noch die Fahrgäste aus der S-Bahn mitnehmen.

Der VVS hat zum Aufbau einer flächendeckenden Echtzeitinformation in seinem Verbundgebiet schon große Vorarbeit geleistet. Für 80 Prozent des VVS-Angebots stehen bereits Echtzeitdaten zur Verfügung. Diese Daten werden von den Stuttgarter Straßenbahnen (SSB), von DB Regio und einzelnen regionalen Verkehrsunternehmen in die elektronische Fahrplanauskunft des VVS eingespielt. Die Kunden können die Daten schon seit einigen Monaten auf dem PC oder auf einem internetfähigen Handy abrufen. Besonders beliebt ist die App „VVS mobil“, die schon von mehr als 200 000 Fahrgästen heruntergeladen wurde und über die mittlerweile über 8 Millionen Fahrplanauskünfte pro Monat abgerufen werden. „Inzwischen werden mehr Fahrplanauskünfte über das Handy abgerufen als über den ‚normalen‘ PC“, erläuterte der Geschäftsführer und wies darauf hin, dass seit Start der Echtzeitinformation die Zahl der Fahrplanauskünfte „explosionsartig nach oben geschnellt“ sei.

Mit der Echtzeitinformation können auch Anzeigetafeln an den Haltestellen versorgt werden. In den Großstädten, so auch in Stuttgart, ist dies bei S- und Stadtbahn-Haltestellen längst üblich. Nicht jedoch im ländlichen Raum. Der VVS hat deshalb mit Unterstützung der Gebietskörperschaften einige Haltestellen mit so genannten dynamischen Fahrgastinformationsanzeigern (DFI) ausgestattet auf denen die Abfahrten aller Linien von unterschiedlichen Verkehrsunternehmen wiedergegeben werden, soweit verfügbar bereits in Echtzeit. Solche Anzeiger stehen zum Beispiel in Waiblingen, Leonberg, Korntal und Frickenhausen. An Haltestellen ohne DFI-Anzeiger sind die QR-Codes an den Aushangfahrplänen nützlich. Wer einen solchen QR-Code an der Haltestelle mit einem internetfähigen Handy abfotografiert, erhält sofort die nächsten Abfahrten auf seinem Handy-Display.

Das Problem ist, dass die regionalen Verkehrsunternehmen – im Unterschied zur SSB und zur Bahn - bislang nicht über Echtzeitdaten verfügen. Der VVS hat daher 2010 im Rahmen des Dritten Innovationsprogramms des Landes– ein Pilotprojekt gestartet, mit dem ein mandantenfähiges Leitsystem für den Regionalverkehr, ein so genanntes RBL-light-System, entwickelt wurde. An dieses System können sich nun alle Verkehrsunternehmen im VVS anschließen. Dafür müssen allerdings die Bordrechner in den rund 1.000 Omnibussen des VVS-Regionalverkehrs ertüchtigt werden.

Die ersten drei Unternehmen wurden an das RBL-light-System bereits im Rahmen des Pilotprojektes angeschlossen und konnten so die Funktionsfähigkeit testen. Nun ist eine Erweiterung auf alle Verkehrsunternehmen im VVS-Gebiet angesagt. Um dieses Ziel zu erreichen, erhalten der VVS und die regionalen Verkehrsunternehmen aus der Hand des Verkehrsministers einen Zuwendungsbescheid in Höhe von 1,8 Millionen Euro. Das Projekt startet sofort und wird sukzessive bis Ende 2014 umgesetzt. Dann werden alle 40 Verkehrsunternehmen im VVS Echtzeitdaten generieren und diese an die Datendrehscheibe weiterleiten, damit sie in die Auskunftssysteme eingespeist werden können.

Zu den drei Pilotanwendern gehören die Busunternehmen Dannenmann aus Wein-stadt und Kappus aus Leonberg sowie die Württembergische Eisenbahn-Gesellschaft (WEG), die die Nebenbahnen Strohgäubahn, Schönbuchbahn, Wieslauftalbahn und Tälesbahn betreibt. Die 27 Züge der WEG und die 43 Busse der beiden privaten Busunternehmen können nun geortet werden und senden Echtzeitinformationen an das Leitsystem. Damit ist jederzeit eine Fahrplanprognose möglich. „Das RBL light hat sich bei uns bestens bewährt“, erklärte Busunternehmer Markus Dannenmann. „Wir wissen nun, wo sich unsere Busse befinden und sind in der Lage, Verspätungen schnell und präzise zu ermitteln und an unsere Fahrgäste und Busfahrer weiterzugeben“.
Dannenmann ermunterte seine Kollegen Busunternehmer im VVS, sich an das RBL-light-System anzuschließen. Die Förderung durch das MVI hält er für unverzichtbar, ohne Zuschuss könnten die privaten Unternehmen diese Maßnahme finanziell nicht stemmen. Er versprach, dass er sich mit seinem Schwesterunternehmen OVK in Kirchheim/Teck ebenfalls an das Leitsystem anschließen will.

Quelle:

Ministerium für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg

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