SCHIENE

Land, Kommunen und Westfrankenbahn verabreden Maßnahmenpaket für die Tauberbahn und die Maintalbahn

Bahnübergang mit Andreaskreuz (Bild: Fotolia.com/ GordonGrand)

Land und Kommunen erwarten zuverlässigen Verkehr auf der Tauberbahn und auf der Maintalbahn. Die DB-Tochter Westfrankenbahn GmbH hat zur Verbesserung der seit Monaten schlechten Betriebsqualität ein umfangreiches Maßnahmenpaket vorgelegt. Den Zugausfällen und Verspätungen will das Bahnunternehmen durch größere Anstrengungen bei der Personalgewinnung, durch rasche Ausbildung weiterer Lokführerinnen und Lokführer sowie durch ein neues, stabiles Fahrplankonzept entgegenwirken.

Einigkeit bestand beim Qualitätsgipfel in Tauberbischofsheim mit Vertreterinnen und Vertretern des Landes, der Region und der DB-Tochter Westfrankenbahn darin, dass alle in einem Boot sitzen und nur mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung Verbesserungen tatsächlich möglich sind. Alle Beteiligten waren übereinstimmend der Überzeugung: Die Tauberbahn hat eine Zukunft.

Konkret stellte die Geschäftsleitung der Westfrankenbahn (WFB) am vergangenen Mittwoch zur kurz- und mittelfristigen Verbesserung ein Maßnahmenpaket „Fachkräftemangel & Infrastrukturausbau südliche Tauberbahn“ vor. Darüber hinaus vereinbarten das Verkehrsministerium, die Westfrankenbahn, die Landkreise Main-Tauber, Schwäbisch Hall und Miltenberg sowie die landeseigene Nahverkehrsgesellschaft (NVBW), perspektivisch ein neues Fahrplankonzept zur mittelfristigen Verbesserung der Betriebsqualität zu erstellen. Dieses soll auch wissenschaftlich begleitet und untersucht werden, um seine Funktionsfähigkeit und Wirksamkeit zu überprüfen.

Die Erwartungen des Landes an Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit wurden in der jüngeren Vergangenheit nicht erfüllt. Erhöhte Krankenstände beim Fahrpersonal und in den Stellwerken hatten in den vergangenen Monaten auf der Tauberbahn zahlreichen Zugausfällen geführt.

Der Amtschef des Verkehrsministeriums, Berthold Frieß, betonte: „Die bisherige Qualität der Westfrankenbahn ist nicht akzeptabel. Unser gemeinsames Ziel muss es sein, dass man nach der Bahn die Uhr stellen kann. Dazu müssen jetzt Entscheidungen schnell und zielgenau getroffen werden. Es gilt, verlorenes Vertrauen bei den Fahrgästen zurückzugewinnen und die Angebotsqualität deutlich zu verbessern. Im Mittelpunkt steht eine wirksame Strategie der DB gegen den offenkundigen Fachkräftemangel.“

Der Landrat des Main-Tauber-Kreises, Christoph Schauder, sagte: „Zunächst möchte ich mich beim Verkehrsministerium bedanken, dass die Forderung nach einem Austausch mit allen Beteiligten aufgegriffen wurde. Die Leistung der Westfrankenbahn war in den vergangenen Monaten schlichtweg schlecht, was zu erheblichem Unmut bei uns vor Ort geführt hat. Insoweit begrüße ich es, dass endlich in einem strukturierten Prozess ein Maßnahmenpaket auf die sprichwörtliche Schiene gesetzt wird. Unabhängig davon erwarte ich es als Selbstverständlichkeit, dass die Fahrgäste bei Verspätungen oder Zugausfällen nunmehr kompetent und vollumfänglich von der Bahn informiert und Reisealternativen bei Zugausfällen aufgezeigt werden. Gerade dies war in den vergangenen Monaten leider nur eingeschränkt der Fall. Es ist absolut inakzeptabel, wenn die Fahrgäste einfach am Bahnsteig stehen gelassen werden.“

Der Landrat des Landkreises Schwäbisch Hall, Gerhard Bauer, sagte: „Die Westfrankenbahn muss das in den letzten Jahren verlorengegangene Vertrauen der Fahrgäste dringend zurückgewinnen. Damit die Verkehrswende gelingen kann, ist ein zuverlässiger Schienenverkehr unerlässlich. Er bildet das Rückgrat für den Nahverkehr. Ich hoffe sehr, dass den angekündigten Maßnahmen auch die notwendigen Taten folgen. Beim Ausbau der Bahnhöfe und der Sicherungstechnik liegen wir nach wie vor deutlich hinter dem vor Jahren vorgestellten Maßnahmenplan. Dem Land Baden-Württemberg sage ich danke für das klare Bekenntnis zur Tauberbahn. Die angedachten Maßnahmen zur Stabilisierung des Fahrplans werden wir konstruktiv begleiten. Ein wichtiger Baustein dabei ist ein attraktiver Übergang im Knoten Crailsheim auf die anderen Linien, insbesondere auf die Murr- und Hohenlohebahn.“

Der Landrat des Kreises Miltenberg, Jens Marco Scherf, sagte: „Es ist extrem wichtig für unsere bahnnutzende Bevölkerung, dass die Westfrankenbahn und die beiden Länder als Auftraggeber gemeinsam die Grundlage legen für eine deutlich bessere und dann akzeptable Qualität. Der Landkreis Miltenberg wird die notwendigen Maßnahmen unterstützen und mittragen, damit sich die Menschen auf die Maintalbahn wieder verlassen können.“

Der Geschäftsleiter Infrastruktur der Westfrankenbahn, Denis Kollai, erklärte: „Die Westfrankenbahn tut alles, um die Auswirkungen für Fahrgäste so gering wie möglich zu halten. Mit dem aktuellen Ersatzprogramm können wir einen verlässlichen Fahrplan anbieten. Darüber hinaus haben wir in den letzten Wochen mit Hochdruck ein umfangreiches Maßnahmenpaket erarbeitet. Wir investieren in Infrastruktur und neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für eine bessere Qualität auf der Schiene.“

Seit Jahren hat die Bahnbranche in den nördlichen Regionen von Baden-Württemberg mit der Abwanderung von Fachkräften zu kämpfen. Eine Ursache dafür ist der demographische Wandel im ländlichen Raum.

Bisher wurden die Auswirkungen des Fachkräftemangels noch vergleichsweise kundenverträglich abgefedert. Seit dem vergangenen Sommer ist dies aufgrund der zusätzlich erhöhten Krankenstände nicht mehr vollständig möglich. Bis zum 28. Mai 2023 fährt die Westfrankenbahn an den Wochenenden daher einen reduzierten Fahrplan und setzt Busse für die Fahrgäste zwischen Schrozberg und Crailsheim ein.

Masterplan Fachkräftemangel und Infrastrukturausbau

Kurzfristige Maßnahmen auf der südlichen Tauberbahn bis Juni 2023

  • Bewerbertage und Teilnahme an regionalen Bildungs- und Ausbildungsmessen, um neue Beschäftigte zu gewinnen
  • Ausbildung und Einsatz von bis zu 18 Triebfahrzeugführern in Kooperation mit DB Regio Baden-Württemberg in der Einsatzstelle in Heilbronn in Schichten auf der Tauber- und Hohenlohebahn
  • Umsetzung von Infrastrukturmaßnahmen, die Stellwerkspersonal für andere Stellwerke freisetzen (Umwandlung der Bahnhöfe Blaufelden und Rot am See zu Haltepunkten, ohne Auswirkungen für Fahrgäste)
  • Intelligente Ersatzkonzepte bei kurzfristigen Personal-/ Infrastruktur- und Fahrzeugengpässen. Konzentration von Schienenersatzverkehr (SEV) auf diejenigen Strecken, bei denen vergleichbare Fahrzeiten erreicht werden wie mit der Zugverbindung
     

Mittelfristige Maßnahmen (wirksam ab Juni 2024)

  • Einrichtung einer zusätzlichen Quereinsteigerausbildung im WFB-Ausbildungszentrum für Triebfahrzeugführer, Kundenbetreuer und Fahrdiensteiter im dritten Quartal 2023
  • Beteiligung an der Qualitätsoffensive-BW zur Steigerung der Attraktivität von Berufen im ÖPNV/SPNV

Langfristige Maßnahmen (wirksam nach 2024)

  • Forcieren der Stellwerks- und Stationsmodernisierung mit Anbindung an das elektronische Zentralstellwerk Niederstetten (Bahnhof Rot am See 2024, Bahnhof Markelsheim 2025 und in den Folgejahren die Bahnhöfe Satteldorf, Blaufelden und Bad Mergentheim).
    Damit wird störanfällige Alttechnik modernisiert und die Infrastrukturzuverlässigkeit der Tauberbahn deutlich verbessert.

Perspektivisch ein neues Fahrplankonzept

In den nächsten Monaten soll ein strukturiertes Prüfverfahren vorgenommen. Dieses hat das Ziel festzustellen, ob eine langfristige Netzstabilität auf der Tauberbahn und der Maintalbahn erreicht werden kann, wenn der Fahrplan umgestellt wird. Dabei gelten folgende Ziele:

  • Erhöhung der Pünktlichkeit
  • Verbesserung der Anschlusszuverlässigkeit zur Sicherstellung der Reiseketten (Lauda, Wertheim, Miltenberg, Crailsheim)
  • Mehr Pufferzeiten in den Fahrplänen zum Ausgleich von Verspätungen
  • Bedienung aller Stationen im Stundentakt

Ein zukunftsfähiges neues Fahrplankonzept mit einem stabilen Stundentakt und ausreichenden Pufferzeiten kann den Fahrgästen im Maintal- und Taubertal gegebenenfalls mehr Zuverlässigkeit bringen.

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