Lärmschutz

Gezielte Kontrollen gegen zunehmenden Motorradlärm

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Lärmschutzbeauftragter Marwein appelliert in Gutach im Schwarzwald an  Motorradfahrer: Rücksicht nehmen und leise fahren.

„Wer mit einem lauten Motorrad durch enge Täler brettert, ist noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen“, bringt es der Lärmschutzbeauftragte der Landesregierung Thomas Marwein auf den Punkt. Mit steigenden Temperaturen hat auch die Motorradsaison begonnen. Sommerliches Wetter animiert zu Freizeitaktivitäten im Freien. Während manche Menschen gezielt nach Ruhe suchen, setzen andere auf Fahrspaß auf zwei Rädern. Und das oftmals durch zu laute Motorräder und mit bedeutenden gesundheitlichen Auswirkungen für die Anwohner. „Motorradfahren verbinden viele mit Freiheit. Die bekommt man aber auch mit leisen Maschinen oder besser noch mit Elektromotorrädern“, erklärte Marwein am Sonntag.

Den zunehmenden Lärm durch Motorräder entschärfen

Marwein hat daher die Polizei bei einer gezielten Kontrolle von Motorrädern in Gutach im Schwarzwald begleitet, um sich selbst ein Bild von der Situation zu machen. Die Polizei in Baden-Württemberg will auch in diesem Jahr verstärkt mit gezielten Kontrollen den zunehmenden Lärm durch Motorräder entschärfen.

„Es gibt zwei Problembereiche beim Motorradlärm“, erläuterte Marwein. „Zum ersten ist es die persönliche Fahrweise der Fahrerinnen und Fahrer. Starkes Beschleunigen und hochtouriges Fahren erzeugen unnötigen Lärm. Moderne Krafträder ermöglichen es, angemessen leise bewegt zu werden, ohne dabei Abstriche beim Fahrspaß in Kauf nehmen zu müssen. Ein weiteres Problem für hohe Lärmemissionen sind illegale Manipulationen an den Motorrädern.“

Einigen Fahrern ist der normale Motorradlärm noch zu leise. Mit verschiedenen Tricks, wie zum Beispiel Klappenauspuffanlagen oder der Entfernung so genannter dB-Eater, kann eine ohrenbetäubende Lautstärke bei Motorrädern erreicht werden. „Solche gezielten Manipulationen an Motorrädern gehen zu Lasten der Mitmenschen, sind in den meisten Fällen illegal, führen zu einem Erlöschen der Betriebserlaubnis und werden entsprechend von der Polizei geahndet“, stellte Marwein klar. „Anwohner und Wanderer wollen wie Motorradfahrer die schönen Gegenden genießen. Sie suchen dabei aber vorzugsweise die Ruhe. Darauf sollten Motorradfahrer Rücksicht nehmen.“

„Kompetenzteam Motorrad“: Eigene Experten der Polizei Baden-Württemberg

Durch extra dafür geschultes Personal der Polizei wird vor allem Geschwindigkeit und Technik der Zweiräder überprüft. Da Manipulationen an Motorrädern teilweise nur sehr schwer erkennbar sind, verfügt die Polizei Baden-Württemberg mit dem „Kompetenzteam Motorrad“ über eigene Experten. Der Lärmschutzbeauftragte der Landesregierung hob die Bemühungen der Polizei hervor: „Die Polizei geht mit gezielten Kontrollen gegen die Krachmacher vor. Der unnötige Lärm stört nicht nur die Menschen, er macht auf Dauer krank. Wenn es um die Gesundheit der Menschen geht, dann hört der „Spaß“ auf.“

Motorradlärm wird von wenigen verursacht, aber viele sind davon betroffen. „Unter den Motorradfahrerinnen und Motorradfahrern gibt es eine Minderheit, die sich absichtlich rücksichtslos verhält. Viele andere blenden das Problem einfach aus, weil ihr Motorrad legal zugelassen ist. Unter deren Fehlverhalten muss dann eine Vielzahl von Menschen leiden. Ich wünsche mir, dass sich die Mehrheit der rechtschaffenen Motorradfahrerinnen und Motorradfahrern auf menschlichen Anstand besinnt, um so ein Umdenken zu bewirken.“

Baden-Württemberg drängt auf eine weitere Verschärfung der Vorschriften

Auch die Politik nimmt sich dem Problem an. Trotz der erreichten Verbesserungen der Vorschriften zur Genehmigung von neuen Motorradmodellen die zuletzt zum 1. Januar 2016 verschärft wurden, drängt das Land Baden-Württemberg weiterhin auf eine weitere Verschärfung der Vorschriften, so dass alle Zustände des stattfindenden Verkehrs auf der Straße bei der Typengenehmigung erfasst werden. Leider sind die rechtlichen Möglichkeiten, die das Land dazu besitzt, eng begrenzt. Alle gesetzlichen Lärmgrenzwerte und Messverfahren sind langjährig EU-weit harmonisiert, was nationale Alleingänge verbietet beziehungsweise unmöglich macht.

Unter dem Motto: „Mehr Schwung für den Lärmschutz!“ hatte der Verkehrsminister Winfried Hermann, MdL zusammen mit dem Lärmschutzbeauftragten Marwein vor wenigen Wochen beim Lärmkongress 2018 in Stuttgart Forderungen zu dieser Thematik vorgestellt. Durch eine Änderung der Straßenverkehrsordnung müsse gegen Motorradlärm auch gezielt an Wochenenden vorgegangen werden können. Ausnahmen sollen aber für Elektromotorräder gelten. Weiter forderten sie die EU auf, ihre Zulassungsregeln für Motorräder, aber auch andere Kraftfahrzeuge bezüglich Lärmschutz zu überarbeiten.

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