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Was Streuobstwiesen mit dem Straßenbau zu tun haben

Mit einer Pflanzaktion hat Verkehrsminister Winfried Hermann in Gemmingen den Startschuss für die Herstellung einer neuen Streuobstwiese gegeben. Das Projekt ist Teil des Ökokontos der Straßenbauverwaltung Baden-Württemberg.

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Baumwiese (Bild: pixabay/ 2916763)

Frühzeitiger Ausgleich schafft Vorteile für Natur und Infrastruktur

Auf einer rund 1,5 Hektar großen Fläche wandelt der Birkenhof Gemmingen im Auftrag des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg Ackerland in eine strukturreiche Streuobstwiese um. Dafür werden etwa 65 hochstämmige Obstbäume verschiedener Sorten gepflanzt. Zwischen den Baumreihen soll extensives Grünland entstehen, das als wichtiger Lebensraum für zahlreiche Pflanzen und Insekten dient.

Verkehrsminister Winfried Hermann sagte: „Nachhaltiger und ressourcenschonender Straßenbau ist unser Anspruch. Wir wissen jedoch, dass wir Eingriffe in Natur und Landschaft nicht in jedem Fall vollständig vermeiden können. Umso wichtiger ist es, frühzeitig für einen wirksamen Ausgleich zu sorgen. Mit Projekten wie der heutigen Bepflanzung schaffen wir bereits jetzt wertvollen Lebensraum, der der Natur sofort zugutekommt. Jede neu gepflanzte Streuobstwiese stärkt die Artenvielfalt, verbessert das Mikroklima und erhält ein Stück unserer Kulturlandschaft. Das ist ein Gewinn für die Umwelt und ein wichtiges Element einer verantwortungsvollen Infrastrukturplanung.“

Mit der Aufwertung sammelt die Straßenbauverwaltung sogenannte Ökopunkte, die später als Ausgleich für Eingriffe im Zuge von Straßenbauprojekten eingesetzt werden können. Das hat zwei Vorteile:

  • Die Natur profitiert sofort, auch wenn noch gar kein Straßenbau stattfindet.
  • Bei späteren Projekten entfallen die mühsame Suche und die langwierigen Abstimmungen zur Bereitstellung geeigneter Ausgleichsflächen.

Klimawandel im Blick: Neues Pflanzkonzept schützt junge Bäume

Damit die Obstbäume auch unter den Bedingungen des Klimawandels gut anwachsen, kommt ein innovatives Pflanzkonzept zum Einsatz: Dichter gesetzte Sträucher zwischen den Baumreihen verbessern das Mikroklima. Zusätzlich werden sogenannte Ammenbäume gesetzt, die jungen Obstbäumen Schatten und Windschutz bieten und so deren Wurzelbildung unterstützen.

Streuobstwiesen vereinen Naturschutz, kulturelle Identität und wirtschaftliche Nutzbarkeit

Streuobstwiesen sind ein typisches Landschaftsbild Baden-Württembergs. Sie verbinden Naturschutz, kulturelle Identität und regionale Nutzung. Die Straßenbauverwaltung plant, zukünftig verstärkt auf aufwertbare Streuobstbestände zu setzen und diese gezielt in Ökokontomaßnahmen einzubinden. Auch regionale Vermarktungswege sollen dabei berücksichtigt werden, um den langfristigen Erhalt dieser wertvollen Landschaften zu sichern. Damit trägt das Verkehrsministerium zur in der Streuobstkonzeption 2030 vorgesehenen Vorreiterrolle des Landes beim Streuobstwiesenschutz bei.

Hintergrund: Was ist ein Ökokonto?

Das Ökokonto ist ein Instrument zur zeitlichen Flexibilisierung der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung, die den Verursacher eines Eingriffs zum Ausgleich unvermeidbarer Beeinträchtigungen der Natur verpflichtet. Das Ökokonto ermöglicht es, Naturschutzmaßnahmen schon im Voraus umzusetzen. Für solche Aufwertungen werden Ökopunkte gutgeschrieben. Werden später Straßen gebaut oder ausgebaut, können diese Punkte eingesetzt werden, um Eingriffe in Natur und Landschaft auszugleichen. Für die Natur bedeutet das: Der Ausgleich erfolgt früh und nicht erst, wenn der Eingriff schon passiert ist.

Der Vorteil der vorgezogenen Aufwertung in Form von Ökokontomaßnahmen besteht für Vorhabenträger wie die Straßenbauverwaltung darin, dass die aufwändige und oftmals unter Zeitdruck stehende Suche nach geeigneten Ausgleichsflächen im konkreten Straßenbauprojekt entfällt. Die Preise für Ökopunkte können abhängig von den Herstellungskosten je nach Art der Maßnahme, der Region, den Bodenpreisen, individuellen Vertragsbedingungen sowie Angebot und Nachfrage sehr unterschiedlich sein.

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