Verkehrsminister Winfried Hermann betonte anlässlich des Projektstarts: „Wer zu Fuß, mit einem Kinderwagen oder im Rollstuhl unterwegs ist, braucht Platz – und zwar genügend Platz. Niemand sollte Slalom laufen oder auf die Fahrbahn ausweichen müssen aufgrund von Schildern, Mülltonnen oder parkenden Autos. Gemeinsam mit den vier Modellkommunen räumen wir Hindernisse aus dem Weg und machen die Gehwege wieder frei. So schaffen wir mehr Sicherheit, mehr Barrierefreiheit und mehr Lebensqualität im öffentlichen Raum.“
Ziel: Mehr Wege selbstverständlich zu Fuß zurücklegen
Das Projekt ist Teil der Fußverkehrsstrategie des Landes Baden-Württemberg. Bis 2030 soll jeder zweite Weg zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt werden. Auch längere Strecken von mehr als 15 Minuten sollen für viele Menschen selbstverständlich zu Fuß möglich sein. Dafür braucht es gut nutzbare und barrierefreie Gehwege. Gerade für Menschen mit Kinderwagen, Rollstuhl oder Gehhilfe entscheiden oft wenige Zentimeter darüber, ob ein Weg passierbar ist oder zur Sackgasse wird. Balingen, Heilbronn, Pforzheim und Stuttgart gehen nun als Modellkommunen voran und erproben neue Lösungen in der Praxis.
Hindernisse beseitigen, Wege freimachen
Auf ausgewählten Strecken erfassen die vier Städte zunächst den Zustand der Gehwege. Dazu werden die Wege digital dokumentiert, unter anderem mit 360-Grad-Kameras. Diese Daten bilden die Grundlage für Workshops vor Ort. Dort entwickeln Verwaltung, kommunale Betriebe, Gewerbe und Anwohnende gemeinsam Lösungen. Im Fokus stehen typische Hindernisse auf Gehwegen, wie beispielsweise Mülltonnen, überflüssige Verkehrsschilder, ganz oder teilweise auf dem Gehweg parkende Autos, Verteilerkästen, Parkscheinautomaten oder Werbeaufsteller. „Wir verteilen den Platz in unseren Städten und Gemeinden neu und schaffen mehr Raum für Fußgängerinnen und Fußgänger. Eine Stadt, in der man gut zu Fuß gehen kann, ist eine Stadt mit hoher Lebensqualität“, so Hermann.
Gehwege von Anfang an besser planen
Auch bei künftigen Planungen sollen Gehwege konsequent mitgedacht werden. Kommunen, Planungsbüros und Infrastrukturbetreiber arbeiten dafür enger zusammen. Technische Anlagen wie Parkscheinautomaten, Ladesäulen und Verteilerkästen sollen künftig möglichst in Multifunktionsflächen zwischen Gehweg und Fahrbahn platziert werden. So sollen Engstellen von Anfang an vermieden werden.
Seit dem Bewerbungsstart im Dezember 2025 hatte das Land nach Kommunen gesucht, die neue Wege gehen wollen. Ausschlaggebend für die Auswahl von Balingen, Heilbronn, Pforzheim und Stuttgart waren die vorgeschlagenen Strecken. Dazu zählen zentrale Achsen in Ortsmitten, Schulwege und Bereiche mit häufigen Konflikten auf Gehwegen. Die Erfahrungen aus dem Projekt werden ausgewertet. Die entwickelten Standards und Lösungen fließen bis Frühjahr 2027 in einen Praxisleitfaden ein. Dieser soll Kommunen in Baden-Württemberg und darüber hinaus unterstützen, das Zufußgehen attraktiver zu machen.
Das Projekt setzt die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW) im Auftrag des Ministeriums für Verkehr um. Fachlich begleiten die Planungsbüros Bernard Gruppe und VIA das Vorhaben.

















