Verkehrsminister Winfried Hermann erklärte zur Vorstellung des Sanierungsprogramms 2026: „Wir investieren sehr viel in den Erhalt unserer Infrastruktur. Das ist dringlich und wichtig, weil viele Bauwerke alt sind, stark belastet wurden und wir ihre Substanz sichern müssen. Wir setzen die Mittel gezielt dort ein, wo es objektiv zuerst notwendig ist. Auch nach 15 Jahren Sanierungsoffensive bleibt Erhalt vor Aus- und Neubau unsere Handlungsmaxime im Straßenbau. Eine funktionierende Infrastruktur ist für unsere Gesellschaft unabdingbar und stärkt den Wirtschaftsstandort in Baden-Württemberg.“
Saniert und erhalten werden vor allem schadhafte Brücken, Fahrbahnen, Stütz- und Lärmschutzwände sowie Radwege. Hinzu kommen Hang- und Felssicherungen.
Steigender Sanierungsbedarf
„In den kommenden Jahren müssen wir deutlich mehr Bauwerke und Straßen sanieren. Viele kommen aufgrund ihres Alters und weil sie über Jahrzehnte weit über die erwarten Maße belastet wurden in die Sanierungsphase. Mehr Verkehr und vor allem viele und schwerere Lastwagen haben ihre Spuren und Risse hinterlassen. Das ist eine gewaltige Aufgabe. Wir nutzen dafür auch Mittel aus dem Sondervermögen. So können wir wichtige Projekte vor allem im Landesstraßennetz starten“, sagte der Minister.
Für Bundesstraßen werden in diesem Jahr voraussichtlich rund 254 Millionen Euro eingesetzt. In den Erhalt der Landesstraßen fließen nach aktuellem Stand rund 236 Millionen Euro. In beiden Bereichen werden auch Mittel aus dem Sondervermögen genutzt.
Sanierungsprogramm 2026
Das Sanierungsprogramm 2026 umfasst vor allem Projekte zur Erhaltung von Bauwerken und zur Erneuerung von Fahrbahndecken.
Landesweit ist geplant, dass dieses Jahr
- 14 Brücken ersatzweise neu gebaut, verstärkt oder saniert
- mehr als 180 Bauwerke instandgesetzt
- Fahrbahndecken auf knapp 450 Kilometern erneuert werden
Projekte aus dem Regierungsbezirk Stuttgart
Blitzschnelle Brückenmodernisierung: Der Ersatzneubau der Murrbrücke bei Marbach am Neckar im Zuge der Landesstraße 1100 (Landkreis Ludwigsburg) startet im Juli 2026 als Pilotprojekt. Die Brücke wird in Fertigteilbauweise unter Vollsperrung in 75 Tagen gebaut. Diese sogenannte Expressbrücke verkürzt die Bauzeit und reduziert Eingriffe in Natur und Verkehr. Die Kosten liegen bei rund 9,5 Millionen Euro.
Böschungssicherung: An der Hepsisauer Steige im Zuge der Landesstraße 1212 (Landkreis Göppingen) werden auf rund 1.000 Metern Böschungen gesichert. Anschließend wird die Fahrbahndecke auf 5,2 Kilometern erneuert. Die Kosten betragen rund 3,1 Millionen Euro. Die Arbeiten sind von Oktober 2026 bis März 2027 geplant.
Radwegsanierung: In Böblingen wird im Sommer 2026 ein straßenbegleitender Radweg entlang der Landesstraße 1185 auf rund 1.000 Metern saniert. Die Kosten betragen rund 130.000 Euro.
Projekte aus dem Regierungsbezirk Karlsruhe
Brückenmodernisierung: In Adelsheim (Neckar-Odenwald-Kreis) wird eine Brücke im Zuge der Bundesstraße 292 ersetzt. Die Bauarbeiten erfolgen unter Vollsperrung. Die Kosten liegen bei rund 2,7 Millionen Euro. Die Umsetzung ist von Oktober 2026 bis Dezember 2027 geplant.
Fahrbahnerhaltung mit Bauwerksinstandsetzung: Zwischen Bruchsal und Graben-Neudorf (Landkreis Karlsruhe) wird im Zuge der Bundesstraße 35 die Fahrbahndecke erneuert. Zusätzlich werden 18 Brücken instandgesetzt. Die Bauzeit ist von August 2026 bis Mai 2027 vorgesehen. Die Kosten betragen rund 12,1 Millionen Euro.
Gemeinschaftsmaßnahme mit Gemeinde: In Engelsbrand (Enzkreis) wird die Landesstraße 338 ab März 2026 gemeinsam mit der Gemeinde saniert. Neben der Fahrbahn werden auch Wasserleitungen, Kanäle, Bushaltestellen und der Rathausplatz erneuert. Die Arbeiten dauern voraussichtlich bis Dezember 2029. Die Gesamtkosten liegen bei rund 8,3 Millionen Euro.
Projekte aus dem Regierungsbezirk Freiburg
Fahrbahnerhaltung mit Bauwerksinstandsetzung: Bei Rottweil wird die Bundesstraße 14 und Bundesstraße 27 auf knapp vier Kilometern saniert. Dabei werden die Fahrbahndecke erneuert und eine Brücke instandgesetzt. Die Bauarbeiten beginnen im Juli 2026 und dauern voraussichtlich bis zum Ende der Sommerferien. Die Kosten betragen rund 2,5 Millionen Euro.
Böschungssicherung: An der Oppenauer Steige im Zuge der Landesstraße 92 (Ortenaukreis) wird auf 1,5 Kilometern eine Böschung gesichert. Die Arbeiten laufen von Mai 2026 bis Oktober 2027. Die Kosten liegen bei rund 1,7 Millionen Euro.
Stützwandinstandsetzung: An der Landesstraße 126 bei Muggenbrunn (Landkreis Lörrach) wird ab April 2026 eine Stützmauer instandgesetzt. Die Kosten betragen rund 500.000 Euro. Die Arbeiten sollen Mitte 2027 abgeschlossen sein.
Projekte aus dem Regierungsbezirk Tübingen
Brückenmodernisierung und Fahrbahnerhaltung: Bei Frickingen-Altheim (Bodenseekreis) wird eine Brücke im Zuge der Landesstraße 200 ersetzt. Anschließend wird die Fahrbahn auf rund 1,5 Kilometern erneuert. Die Arbeiten laufen von Mai bis Dezember 2026. Die Kosten betragen rund 1,1 Millionen Euro.
Böschungssicherung: An der Eninger Steige im Zuge der Landesstraße 380 (Landkreis Reutlingen) werden ab Herbst 2026 Hangrutschungen beseitigt. Die Arbeiten dauern voraussichtlich bis Sommer 2027. Die Kosten liegen bei rund 1,7 Millionen Euro.
Fahrbahnerhaltung: Zwischen Kressbronn und der Landesgrenze zu Bayern wird im Zuge der Bundesstraße 31 die Fahrbahndecke auf über fünf Kilometern erneuert. Die Arbeiten sind von April bis Mai 2026 geplant. Die Kosten betragen rund 1,75 Millionen Euro.
Bereits 2025 fast 400 Millionen Euro für Sanierung
2025 wurden rund 213 Millionen Euro in Bundesstraßen investiert. Dabei wurden rund 145 Kilometer Fahrbahnen und mehr als 80 Bauwerke saniert.
In den Erhalt der Landesstraßen flossen rund 170 Millionen Euro. Damit wurden gut 200 Kilometer Fahrbahnen und mehr als 90 Bauwerke erneuert.
Das Sanierungsprogramm 2026 steht sinnbildlich für die Schwerpunktsetzung des Ministeriums für Verkehr auf Erhaltung der bestehenden Infrastruktur. Die Investitionen sichern die Qualität der Straßen und sorgen für einen verlässlichen Verkehr im Land.
Hintergrundinformationen
Brücken im Land:
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Rund 7.300 Brücken an Bundes- und Landesstraßen
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Etwa jede zehnte Brücke altersbedingt sanierungsbedürftig
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Maßnahmen: sanieren, verstärken oder neu bauen
Brückenerhaltungsprogramm:
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Rund 180 Brücken bis 2030 modernisieren
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Weitere rund 450 Brücken bis 2036
Zustand der Fahrbahnen:
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Regelmäßige Prüfung alle vier Jahre (Zustandserfassung und -bewertung, kurz ZEB)
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Bewertungsskala von 1,0 (sehr gut) bis 5,0 (sehr schlecht)
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Entwicklung seit 2011 leicht verbessert, zuletzt Fortschritt abgeflacht
Gesamtwert für die Bundesstraßen von 3,2 (ZEB 2011) auf 3,1 (ZEB 2023) verbessert.
Gesamtwert für die Landesstraßen von 3,5 (ZEB 2012) auf 3,4 (ZEB 2024) verbessert. -
Karte Erhaltungsmanagement Bundesstraßen 2025-2028
Karte Erhaltungsmanagement Landesstraßen 2026-2029
Erhaltungsmanagement:
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Grundlage für Planung und Umsetzung von Sanierungen
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Bundesstraßen: rund 667 Kilometer bis 2028
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Landesstraßen: rund 739 Kilometer bis 2029
Sondervermögen
Das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität ist ein Sondervermögen des Bundes. Baden-Württemberg erhält gemäß Königsteiner Schlüssel bis einschließlich 2036 insgesamt 13,1 Milliarden Euro für Investitionen. Davon gehen insgesamt 8,75 Milliarden Euro an die Kommunen, für das Land bleiben mehr als 4 Milliarden Euro. Hiervon sind 700 Millionen Euro für Investitionen in Straßen und Brücken im Landesstraßennetz (insbesondere Sanierung) vorgesehen. In den nächsten zehn Jahren besteht für das Landesstraßennetz unter fachlichen Gesichtspunkten ein Sanierungs- bzw. Erhaltungsmittelbedarf, der über die in diesem Zeitraum voraussichtlich zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel (einschließlich des Sondervermögens) hinausgehen wird.

















