Förderung

E-Mobilität im Liefergeschäft kommt an

Kleines, rotes Elektro-Lieferfahzeug mit einem Fahrer am Steuer.
Lieferservice mit E-Leichtfahrzeug: Die Heidenheimer Zeitung setzt auf Elektromobilität.

Wie Betriebe in Baden-Württemberg von der Lieferung mit Elektro-Leichtfahrzeugen profitieren

Sushi mit Elektrofahrzeug ausliefern – für Karin Büttner gehört das zum Tagesgeschäft. Seit zehn Jahren leitet Büttner das Restaurant „I LOVE SUSHI“ im Stuttgarter Westen. Bereits 2015 hat sich der Betrieb ein E-Leichtfahrzeug für den Lieferservice angeschafft, den „Twizy-Nigiri“, einen elektrischen Zweisitzer mit Sushi-Print auf dem Dach. „Unsere Einstiegsdroge“, scherzt Büttner. „Den Twizy zu kaufen war genau die richtige Entscheidung.“ Seit ein paar Jahren beliefert das Restaurant seine Kunden zudem mit drei E-Smarts. „Unsere Fahrer waren anfangs etwas skeptisch“, erzählt Büttner, „doch mittlerweile macht es allen großen Spaß, mit den E-Fahrzeugen durch Stuttgart zu fahren.“ Büttner, die auch privat ein Elektroauto fährt, ist der Überzeugung, dass Elektromobilität die Zukunft des Liefergeschäfts ist. „Als Lieferdienst haben wir wegen der Einwegmaterialien keinen besonders guten ökologischen Fußabdruck – mit dem E-Fuhrpark können wir das kompensieren. Zumal es aus meiner Sicht keinen Sinn macht, mit Verbrennungsmotor durch die Stuttgarter Innenstadt zu fahren.“

Auch Jonas Ott, Teamleiter Vertrieb bei der Heidenheimer Zeitung Verlagsgesellschaft, setzt auf Elektromobilität. Sechs „Paxster“ nutzt die Zeitung für die Zustellung. Das sind vierrädrige E-Leichtfahrzeuge mit Ladefläche. „Die Elektroleichtmobile sind bei uns bei Wind und Wetter im Einsatz, nachts, tagsüber und auch bei Schnee“, erzählt Ott. „Wir haben uns vor einiger Zeit entschieden, unsere Zustellung CO2-neutral aufzustellen, haben verschiedene Fahrzeuge getestet und dann geschaut, welche Einsatzbedürfnisse wir haben. Dann haben wir uns für die E-Leichtfahrzeuge und ein paar E-Cargo-Roller, E-Trolleys und E-Bikes entschieden.“ Für das Zustellgeschäft habe sich mit dem Umstieg auf die Elektromobilität ein deutlicher Effizienzgewinn ergeben. „Die E-Leichtfahrzeuge haben hier einen entscheidenden Vorteil“, berichtet Ott. „Unsere Zusteller brauchen weniger Zeit, sind flexibler einsatzfähig, können mehr Leute bedienen. Außerdem ist der Fuhrpark kompakter, einfacher zu parken. Die Fahrzeuge stehen bei den Zustellern zuhause und laden auch dort. Den Strom rechnen sie mit uns ab. Das ist eine große Erleichterung, unsere Zusteller sind alle mit Begeisterung elektrisch mobil.“ 

Kleines Elektro-Fahrzeug parkt auf dem Gehweg.

Für Karin Büttner von „I LOVE SUSHI“ überwiegen bei der Elektromobilität ebenfalls ganz klar die Vorteile: „Unsere Gesamtkosten für den Fuhrpark sind gesunken. Das darf man nicht unterschätzen. Die Steuer ist billiger, die Fahrzeugwäsche fällt preiswerter aus und wenn ich mir die Tankstellenpreise anschaue, ist auch der ‚Sprit‘ wesentlich günstiger“, erzählt Büttner. Einen großen Kostenvorteil sieht sie zudem beim Thema Reparatur. „Unsere alten Autos waren sehr wartungsintensiv. Sie haben Öl verloren und wir mussten sie häufig in die Werkstatt bringen. Bei unseren E-Fahrzeugen läuft kein Öl aus, es gibt kaum Schäden und wir müssen nur einmal im Jahr zum Check. Das spart viel Geld.“ Kolleginnen und Kollegen ihrer Branche, die mit dem Gedanken spielen, ihren Fuhrpark auf Elektromobilität umzurüsten, rät Büttner: „Auf jeden Fall kaufen, dafür sprechen all unsere Erfahrungen. Eventuelle Mehrkosten am Anfang zahlen sich später definitiv aus. Außerdem ist das Fahrgefühl unvergleichlich – es ist unkompliziert und macht Spaß.“

Jonas Ott von der Heidenheimer Zeitung sieht im elektrischen Liefergeschäft zudem einen entscheidenden Vorteil in Sachen Innovationsgrad und Marktattraktivität. „Für uns als Zeitungsverlag geht es auch darum, neue Geschäftsbereiche zu entdecken und innovativ zu bleiben. Dabei wollen wir nachhaltig agieren“, erklärt er. Seit kurzem betreibt die Verlagsgesellschaft einen Online-Marktplatz, bei dem sich Händler aus der Region anmelden und ihre Produkte verkaufen können. Auch dort kommen die E-Leichtfahrzeuge zum Einsatz. „Uns war es wichtig, andere in Zeiten der Corona-Krise zu unterstützen. In unserem Ländle-Shop bieten wir daher einen ‚Same Day Delivery‘-Service an. Wenn eine Bestellung eingeht, fahren wir mit dem Paxster zum Laden, holen das bestellte Produkt ab und liefern es noch am selben Tag an den Kunden aus.“ Auch sperrigere Transporte seien kein Problem. „Der Paxster ist ein Stauwunder“, erzählt Ott begeistert. „Wir haben schon alles transportiert, von Weinflaschen über Katzenstreu und Hundefutter.“ Anderen Betrieben in Baden-Württemberg, die sich für das Thema E-Mobilität interessieren, empfiehlt Ott: „Wer sich unsicher ist, sollte ein E-Fahrzeug einfach mal bei einem Anbieter testen und Probe fahren. Es gibt so viele verschiedene Modelle, da ist für jede Voraussetzung etwas dabei.“

Infobox:

Anträge für Leichtelektromobile sind in den Fahrzeugklassen L6e (bspw. Paxster GS, Aixam eCity u.a.) und L7e (bspw. Renault Twizy, eGo life u.a.) möglich. Pro Antrag kann eine Fördersumme von bis zu 1.000 Euro abgerufen werden. Ziel der Landesförderung ist es, noch mehr E-Flotten im gewerblichen Bereich zu etablieren und damit Elektrofahrzeuge als wichtigen Pfeiler einer nachhaltigen Mobilität weiter zu stärken. E-Lastenräder werden vom Land mit bis zu 3.000 Euro pro Fahrzeug gefördert.

Ein Antrag auf Landesförderung für E-Leichtfahrzeuge oder E-Lastenräder kann bei der L-Bank gestellt werden. Berechtigt sind beispielsweise Lieferdienste, Gewerbetreibende mit Lieferverkehr, Carsharing-Unternehmen, Pflege- und Sozialdienste, Handwerksunternehmen, kommunale Betriebe oder auch eingetragene Vereine in Baden-Württemberg. Alle Informationen zu den Förderungen gibt es auf der Homepage des Verkehrsministeriums unter www.elektromobilitaet-bw.de und der Homepage der L-Bank unter www.l-bank.de/elektrolastenrad.