Erhaltung und Sanierung


Erhaltung von Bundes- und Landesstraßen

  • Sanierung von Bundes - und Landesstrassen in Baden-Württemberg (in Kilometer)

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  • Investitionen in Neu- und Ausbau sowie Erhaltung von Bundesfernstraßen

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  • Investitionen in Neu- und Ausbau sowie Erhaltung von Landesstraßen

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  • Asphaltfertiger bei der Straßensanierung (Bild: benjaminnolte/ Fotolia)

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Baden-Württemberg ist als dynamisches Land, profilierter Wirtschaftsstandort und Transitland auf eine gut ausgebaute und intakte Straßeninfrastruktur angewiesen. Die große Herausforderung in Bezug auf die Sicherstellung der Mobilität in Baden-Württemberg ist und wird der Erhalt der existierenden Infrastruktur sein. Die Verpflichtung des Landes für diese und zukünftige Generationen ist es, diese Infrastruktur erwartungsgerecht zu erhalten. Die Landesregierung setzt seit 2011 dementsprechend den Schwerpunkt auch auf den Erhalt und die Sanierung der Straßeninfrastruktur. 

Der Zustand

Die Landesregierung geht in diesem Bereich große Herausforderungen an und hat mit Ihrem Paradigmenwechsel „Erhaltung vor Neu- und Ausbau“ die richtigen Signale gesetzt. Die Ergebnisse der alle vier Jahre stattfindenden Zustandserfassung und -bewertung (ZEB) der Bundes- und Landesstraßen zeigen im ZEB-Turnus 2012-2016 erstmals, dass sich die Qualität der rund 4.830 Kilometer Bundesstraßen in der Baulast des Bundes und der rund 9.600 Kilometer Landesstraßen in der Baulast des Landes sowie der in diesem Netz vorhandenen rund 7.290 Brücken mit einem ungenügenden Bauwerkszustand (Bauwerksnote 3,5 und schlechter) in den vergangenen Jahren verbessert hat.

  • Der Wert für den Gesamtzustand der Bundesstraßen hat sich von 3,2 (2011) auf 3,0 (2015) verbessert (bei einer Notenskala Fahrbahn: 1,0 bis 5,0).
  • Bei den Landesstraßen hat sich der im Jahr 2016 erhobene Gesamtzustandswert gegenüber der letzten Erfassung im Jahr 2012 von 3,5 auf 3,4 verbessert.
  • Bei den Brücken im Zuge der Bundesstraßen ist die Brückenfläche mit ungenügendem Bauwerkszustand von 2010 bis 2017 um 12 Prozent zurückgegangen. 
  • Auch bei den Bauwerken im Zuge der Landesstraßen hat sich die Brückenfläche mit ungenügendem Bauwerkszustand von 2010 bis 2017 um 15 Prozent verringert.

Maßnahmen zur weiteren Verbesserung des Straßenzustandes

Die Landesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, bis zur nächsten Zustandserfassung und -bewertung 2019 beziehungsweise 2020 mindestens ca. 830 Kilometer Bundes- und ca. 1.000 Kilometer Landesstraßen zu sanieren und damit eine weitere Verbesserung des Straßenzustandes zu erreichen. Dazu werden folgende strategische Ansätze verfolgt:

Stärkung der Mittel für die Erhaltung

  • Erhaltungsmittel für Bundesfernstraßen

    Baulastträger für Autobahnen und Bundesstraßen ist der Bund. Erhaltungsmaßnahmen setzt das Land in dessen Auftrag um. Das Geld dafür fließt aus dem Bundeshaushalt. Der jährliche Bedarf für die Erhaltungsaufwendungen an den Fahrbahnen und Bauwerken der Bundesautobahnen beläuft sich auf rund 140 Mio. Euro, an den Fahrbahnen und Bauwerken der Bundesstraßen liegt er bei rund 110 Mio. Euro. Zusätzlich besteht ein Bedarf von rund 100 Mio. Euro pro Jahr für die Ertüchtigung des Brückenbestandes an den Bundesfernstraßen. Nach der aktuellen Finanzplanung des Bundes stiegen die für Baden-Württemberg für Erhaltungsinvestitionen an Bundesfernstraßen vorgesehenen Mittelansätze von 286 Mio. Euro (2012) kontinuierlich auf 392 Mio. Euro (2017). Somit ist künftig eine sachgerechte Finanzausstattung möglich.

    Diagramm Investitionen in Erhaltung und Neu- und Ausbau von Bundesfernstraßen

     

    Ausbau der Erhaltungsmittel für Landesstraßen

    Baulastträger für Landesstraßen ist das Land. In diesem Bereich baut und finanziert es eigenständig. Für die Sanierung der Landesstraßen einschließlich der Bauwerke stehen im Jahr 2017 rund 92 Mio. Euro zur Verfügung, die entsprechend der Dringlichkeit von Erhaltungsmaßnahmen investiert werden. Damit stehen in 2017 über 16 Mio. Euro mehr als im Mittel der letzten 10 Jahre zur Verfügung. Diese Anstrengungen reichen jedoch nicht aus, um den Bedarf zu decken. Dieser liegt für die Erhaltung der Landesstraßen einschließlich der Bauwerke bei 120 Mio. Euro pro Jahr. Der Finanzbedarf für die Brückenertüchtigung liegt bei zusätzlich jährlich rund 20 Mio. Euro.

    Diagramm Investitionen in Neu- und Ausbau sowie Erhaltung von Landesstrassen

Effizienter Einsatz der Erhaltungsmittel

  • Maßgebendes Kriterium für Erhaltungsmaßnahmen ist der Fahrbahnzustand. Als weiteres Kriterium dienen die Verkehrsbelastung und die Verkehrsfläche. Für die Bewertung der Dringlichkeit der einzelnen Vorhaben haben die ExpertInnen der Straßenbauverwaltung das Erhaltungsmanagement weiterentwickelt und ein Rechenmodell konzipiert, das für ein Höchstmaß an Transparenz im Erhaltungsmanagement sorgt.

    Zusätzlich werden stetig neuartige, umweltfreundlichere und kostengünstigere Bauverfahren erprobt und weiterentwickelt. So werden zum Beispiel im Bereich der Straßenbautechnik die guten Erfahrungen aus den letzten Jahren mit der maximalen Zugabe von Recyclingmaterial ausgeweitet und innovative Projekte wie die Standardisierung von Bauprozessen im Rahmen der Umsetzung von Industrie 4.0 in unsere Bauverfahren eingebunden.

Priorisierung von Erhaltungsmaßnahmen - Dringlichkeitsliste

Der Zustand der Fahrbahnbefestigung stellt mit einer Gewichtung von 50 Prozent das wichtigste Kriterium für die Verteilung der Erhaltungsmittel unter den vier Regierungspräsidien und Baureferaten dar. Die weiteren Kriterien, mit jeweils 25 Prozent gewichtet, umfassen die gesamte Verkehrsbelastung sowie die Verkehrsfläche. Die Straßenbauverwaltung erstellt auf dieser Grundlage ein Erhaltungsmanagement als 4-Jahresprogramm. Das Erhaltungsmanagement wird sowohl landesweit als auch für die Regierungsbezirke und für die einzelnen Baureferate erstellt und jährlich aktualisiert. Sie dienen nicht nur als Maßstab für die Verteilung der Haushaltsmittel an die Dienststellen, sondern insbesondere auch als Hilfestellung bei der Festlegung der jährlichen Bauprogramme. Diese bedarfsorientierte Zuteilung der Haushaltsmittel hat zur Folge, dass die schlechtesten Straßen als erstes saniert werden und somit die Haushaltsmittel effizient verwendet werden.

Graphik: Sanierung von Bundes - und Landesstrassen in Baden-Württemberg (in Kilometer)

Wie wird der Zustand von Straßen gemessen?

  • Die Zustandserfassungen auf den Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen erfolgt bereits seit 1992 in einem regelmäßigen Abstand von vier Jahren. So fand die letzte Erfassung der Bundesstraßen 2015, die der Landesstraßen 2016 statt. Die Erfassung der Straßen erfolgt mit Messfahrzeugen. Zum Einsatz kommen hierbei schnell fahrende Messfahrzeuge, die im Verkehrsstrom mitfahren und mit Hilfe von Lasertechnik und Kameras die Straßenoberfläche aufnehmen. Sie erfassen einerseits den so genannten Gebrauchswert. Dieser umfasst die relevanten Aspekte aus Sicht der VerkehrsteilnehmerInnen:

    • Allgemeine Unebenheit
    • Fiktive Wassertiefe
    • Griffigkeit

    Andererseits misst die ZEB den so genannten Substanzwert. Dieser gibt an, wie stark die Substanz einer Straße angegriffen ist und damit auch, wie sehr sie an Wert verliert. Hierbei werden folgende Aspekte betrachtet:

    • Spurrinnentiefe
    • Risse
    • Flickstellen

     

    Für jeden 100 Meter-Abschnitt eines Straßenzuges wird anhand der beiden Teilwerte Substanz- und Gebrauchswert der Zustand ermittelt. Die Notenskala reicht hierbei von 1 (bester Wert) bis 5 (schlechtester Wert), wobei ab einer Note von 4,5 jeweils der so genannte Schwellenwert erreicht ist. Die ZEB-Daten erlauben einen guten Überblick über die Zustandsverteilung und Zustandsausprägung der Straßenabschnitte. Die Ergebnisse werden auf Karten und so genannten Streckenbändern visualisiert. Zur Bestimmung des konkreten Erhaltungsbedarfs jedes einzelnen ZEB-Abschnitts wird die Bedarfszahl entwickelt. Die höchste Bedarfszahl, das heißt 100 Punkte, weisen die ZEB-Abschnitte auf, bei denen sowohl der Substanz- als auch der Gebrauchswert über dem Schwellenwert liegt.

    Nähere Informationen zur Berechnung der Werte finden sich in der ausführlichen Hintergrundinformation „So funktioniert Erhaltungsmanagement“.

Erhaltungsmanagement für Bundesstraßen 2017 bis 2019

Erhaltungsmanagement für Landesstraßen 2017 bis 2020

Erfolgsbilanz für Bundesstraßen

Erfolgsbilanz für Landesstraßen


Hintergrundinformation

So funktioniert Erhaltungsmanagement

Hintergrund Zustandserfassung

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