Brücken


Brücken

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) hat zusammen mit dem Verein der Bauwerksprüfingenieure (VFIB) einen Film erstellt, der die Aufgaben der gesetzlichen Bauwerkprüfung und den Beruf des Bauwerksprüfers verdeutlicht. In der rechten Spalte finden Sie die Langversion (40 Minuten) des Films.
 

In Baden-Württemberg gibt es an Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen, rund 9.300 Brücken, 11.100 Stütz- und Lärmschutzwände und 118 Tunnel, die im Abstand von 3 Jahren regelmäßigen Prüfungen unterzogen werden. Diese Prüfungen sind nicht nur gesetzliche Pflicht, sondern ein wesentlicher Bestandteil des Erhaltungsmanagements des Landes.

Für die Prüfung arbeiten in den 4 Regierungspräsidien mehr als 20 speziell ausgebildete Prüfingenieure und Techniker.

Der Zustand

Im Zeitraum 2010 bis 2017 konnte die Fläche der Bauwerke an den Autobahnen mit einem ungenügenden Bauwerkszustand (Bauwerksnote 3,5 und schlechter) von 104.689 m² im Jahr 2010 auf 55.861 m² im Jahr 2017 deutlich um 47 Prozent reduziert werden. Bei den Bauwerken an den Bundesstraßen konnte seit 2010 eine Verstetigung von Bauwerken mit ungenügendem Bauwerkszustand im Bereich kleiner/gleich 1 Prozent der Brückenfläche erreicht werden. Die auf Grundlage der Brückenfläche gemittelte Zustandsnote aller Brücken an den Autobahnen hat sich von 2,65 im Jahr 2010 auf 2,56 im Jahr 2018 verbessert, während sich die mittlere Zustandsnote aller Brücken an den Bundesstraßen von 2,28 auf nun 2,38 leicht verschlechterte.

Bei den Brücken der Landesstraßen ist im Zeitraum 2010 bis 2018 die Fläche der Bauwerke mit einem ungenügenden Bauwerkszustand (Bauwerksnote 3,5 und schlechter) von 5.050 m² im Jahr 2010 auf 4.262 m² im Jahr 2018 deutlich gesunken. Dem gegenüber hat sich die auf Grundlage der Brückenfläche gemittelte Zustandsnote aller Brücken von 2,27 im Jahr 2010 auf nun 2,34 im Jahr 2018 leicht verschlechtert.

Die Zustandserfassung erfolgt bei Brücken im Abstand von drei Jahren im Rahmen einer Einfachen Prüfung im Wechsel mit einer umfangreichen Hauptprüfung. Im Gegensatz zur Zustandserfassung bei den Straßen finden die Bauwerksprüfungen nicht zu einem Stichtag statt, sondern sind eine fortlaufende Daueraufgabe der Straßenbauverwaltung. Sie werden von besonders qualifizierten und erfahrenen Bauwerksprüfingenieuren der Straßenbauverwaltung oder von ausgewählten externen Ingenieurbüros vorgenommen.

Maßnahmen zur Verbesserung

Die Aufrechterhaltung der Gebrauchstauglichkeit der Brückenbauwerke durch bauliche Instandsetzungsmaßnahmen hat oberste Priorität. Bedingt durch die topographischen Randbedingungen und in Anbetracht der überdurchschnittlichen Verkehrsbelastung gilt dieser Grundsatz für das Land Baden-Württemberg in besonderem Maß. Dementsprechend werden Brücken, für die eine Zustandsnote 3,5 und schlechter festgestellt wurde, im Rahmen der Erhaltungsplanung vordringlich behandelt. Infolge dieser Vorgehensweise konnte die oben dargestellte Verbesserung bei den sehr schlechten Bauwerken erreicht werden, so dass zum Stichtag 1. Januar 2018 lediglich 22 Bauwerke an den Autobahnen, 19 Bauwerke an den Bundesstraßen und 22 Bauwerke an den Landesstraßen der schlechtesten Zustandsklasse zugeordnet waren.

Sofern in Einzelfällen die Gebrauchstauglichkeit tatsächlich eingeschränkt sein sollte, sind geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Als wirkungsvolle Sofortmaßnahme werden in Abstimmung mit den Straßenverkehrsbehörden üblicherweise Verkehrsbeschränkungen in Form von Geschwindigkeits- und/oder Gewichtsbeschränkungen sowie Lkw-Überholverbote oder ein Ausschluss des genehmigungspflichtigen Schwerverkehrs veranlasst. Bislang war es jedoch nur in Ausnahmefällen notwendig, den Gemeingebrauch auf Brücken für einzelne Nutzungsgruppen auszuschließen oder die entsprechende Brücke für den Verkehr komplett zu sperren.

Bei der Planung von umfangreichen Erhaltungsmaßnahmen, insbesondere bei Ersatzneubauten, sind neben den rein objektbezogenen Planungen auch die Belange des Umwelt- und Naturschutzes, des Wasserhaushalts, des Immissionsschutzes (Lärm) sowie die Rechter Dritter (Grunderwerb oder vorübergehende Inanspruchnahme von Flächen zur Durchführung der Baumaßnahmen) zu erheben und entsprechend rechtlich zu würdigen. Dies führt dazu, dass im Vorfeld solcher Maßnahmen oftmals ein Baurechtsverfahren durchzuführen ist, das einen Zeitrahmen von durchschnittlich 3 bis 5 Jahren in Anspruch nehmen kann.

Finanzbedarf in der Brückenerhaltung

Der Finanzbedarf für die Erhaltung der Brücken im Zuge der Bundesautobahnen liegt bei rund 45 Mio. Euro pro Jahr, für die Erhaltung der Brücken im Zuge der Bundesstraßen bei rund 35 Mio. Euro im Jahr und bei den Brücken im Zuge der Landesstraßen bei rund 20 Mio. Euro pro Jahr (jeweils ohne Brückenertüchtigung).

Brückenertüchtigung

Der signifikante Anstieg der Nutzungsanforderungen hat dazu geführt, dass Brücken aufgrund mangelnder Tragfähigkeitsreserven den verkehrlichen Anforderungen heute teilweise nicht mehr gewachsen sind. Die betroffenen Bauwerke müssen daher im Rahmen einer Instandsetzungsmaßnahme über das bisherige Tragfähigkeitsniveau hinaus statisch verstärkt werden, um sie so fit für die Zukunft zu machen (= Ertüchtigung). Sind solche Ertüchtigungsmaßnahmen technisch nicht möglich oder unwirtschaftlich, sind die Bauwerke durch Neubauten zu ersetzen.

Das Land rechnet derzeit mit einem Finanzbedarf zur Ertüchtigung der Brücken (einschließlich Ersatzneubauten) von zusätzlich rund 100 Mio. Euro pro Jahr in einem Zeitraum bis zum Jahr 2028 bei den Bundesfernstraßen (Autobahnen und Bundesstraßen) sowie rund 20 Mio. Euro pro Jahr bei den Landesstraßen.